Kaum hatte das Abenteurer-Ehepaar auf dem Weg von Deutschland in die Mongolei elf Länder durchquert, wurde das nächste Projekt in Angriff genommen: die bisher mit Abstand längste E-Bike-Expedition der Welt. Was „Normal-sterbliche“ sich kaum vorstellen können, lag für die beiden Weltenbummler eben „irgendwie auf der Hand“: da weitermachen, wo die letzte Reise endete – und mit dem E-Bike über Sibirien und die Mongolei, durch die Wüste Gobi nach China und schließlich durch Vietnam und Kambodscha bis nach Thailand „radeln“. 25 Monate, circa 17.000 Kilometer und über 74.000 Höhenmeter.

Denis Katzer erinnert sich, wie skeptisch er anfänglich dem gesamten Unternehmen einer E-Bike-Expedition gegenüberstand. Elektromotor, Akkus, Bordcomputer, das klingt erst mal nicht nach Radtour. Erfahrungswerte über solch ein Unternehmen gab es nicht, es gab nichts zu recherchieren – denn so was hatte noch niemand gemacht. Die Katzers betraten Neuland.

Würde die Technik dem harten Expeditionsalltag standhalten?

Die meisten Menschen denken beim Thema E-Bikes bisher wohl eher an rüstige Senioren, die in kleinen Gruppen eine schöne Radtour von einem Städtchen ins nächste machen, ohne sich dabei über Gebühr verausgaben zu müssen. Der Elektromotor als kompensatorische Unterstützung am „Ende der Radfahrerkarriere“, ganz wie die Stützräder des ersten kleinen Kinderrads am Beginn. Diese Vorstellung haben die Katzers nachhaltig gesprengt und revolutioniert.

Denn für Extremsportler wie sie erweitert das E-Bike schlichtweg die – bereits ziemlich beeindruckenden – Limits. Insgesamt ließen sich jetzt pro Person etwa 150 Kilogramm bewegen: Anhänger, Kameraequipment und alles, was man rund um die Welt für alle Jahreszeiten braucht. Im Rahmen eines solchen Vorhabens geht es nicht darum, gemütlich und ohne großen Aufwand über die Landstraße zu schnurren. Eine Weltumrundung ohne Begleitfahrzeuge setzt ein sauberes Energiemanagement voraus. Jeden Tag wird die Strecke berechnet, die zu überwindenden Kilometer und Höhenmeter, die Straßenverhältnisse und das Wetter.

Der wichtigste Faktor ist hierbei, wie weit man unter den gegebenen Voraussetzungen mit der zur Verfügung stehenden Akkuleistung kommen kann – und ob es auf dem Weg die Möglichkeit des Nachladens gibt, wenn wegen schlechten Wetters kein Sonnenstrahl per Solarpanel aufgefangen werden kann.

Ein E-Bike ist kein Wohnmobil

2015 schließlich ging es los. Nachdem die Mongolei mit ihrer Weite, dem ewigen blauen Himmel, riesigen Pferdeherden und umherziehenden Nomaden fasziniert hatte, begann in der erbarmungslosen Wüste Gobi bereits das richtige Abenteuer: Bei „Affenhitze“ und Gegenwind der Stärke sieben (circa 50 Stundenkilometer) mussten bis zu 130 Kilometer zurückgelegt werden, um an Trinkwasser zu gelangen. Plötzlich hängt das Überleben von der Zuverlässigkeit des Antriebs ab. Denis Katzer: „In so einer Situation hört der Spaß auf. Da geht es um die nackte Haut. Die Bikes liefen aber Gott sei Dank zuverlässig und brachten uns sicher durch die trockene Gobi-Wüste.“

Im Herbst änderte sich das Wetter, die beiden waren eiskalten Stürmen ausgesetzt – und dann kam erst der extreme Winter Nordchinas. Würden die Akkus bei minus 20 Grad überhaupt noch funktionieren? Im Nachhinein mutet es vielleicht sogar etwas zu riskant an, sich so auf bisher kaum unter solchen Extrembedingungen getestete Technik zu verlassen. Doch die Bikes bestanden den Test. Allerdings wurden die Berge immer unerbittlicher: Mit bis zu 3.300 Höhenmetern vor dem Lenker verging kein einziger Tag, ohne dass Höhenzuge, Bergrücken und vereiste Flüsse überquert werden mussten.

Auch wenn es „manchmal nicht leicht war“, so das dezente Understatement der Katzers, möchten sie „keinen Tag missen“. Vor allem die Fortbewegungsart hat sie überzeugt und begeistert. „Wir konnten anhalten, wo wir wollten, und bleiben, solange wir Lust hatten. Wir reisen verhältnismäßig langsam und steigen auf diese Weise in die Tiefe eines jeden Landes ein. Wir atmen Mutter Erde, sind bei Wind, Kälte und Sonnenschein ein Teil von ihr. So geraten wir in engen Kontakt zur Bevölkerung, verstehen ihre Lebensart, teilen manchmal sogar ihr Leben, werden beschenkt mit großer Gastfreundschaft.“

Eine Reise mit dem E-Bike ist also nicht nur die ökologischste Reisemöglichkeit überhaupt; der Elektromotor erweitert die Bewegungsfreiheit und Umweltverbundenheit einer „traditionellen“ Radreise um zusätzliche Kapazitäten, die den Reisenden in jeder Hinsicht mehr ermöglichen: mehr Kilometer, mehr fremde Länder, mehr Abenteuer, mehr Freiheit. 

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Fotos: Denis Katzer
Fotos: Denis Katzer
Fotos: Denis Katzer
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