Nun steht die gebürtige US-Amerikanerin kurz vor der Veröffentlichung ihres ersten Buches und Dokumentarfilms über ihr Projekt „Expedition 196“.

Cassie, Sie waren die erste Frau, die dieses Projekt in Rekordzeit verwirklicht hat. Was hat Sie dazu inspiriert?

Es ging nicht nur darum, meine Träume zu verwirklichen, sondern ich wollte über mich selbst hinauswachsen. Diesen Weg wollte ich bewusst alleine gehen. Deshalb hielt ich entschlossen und beharrlich an der Verwirklichung meines Vorhabens fest. Es war also nicht nur ein einmaliges Erlebnis, sondern der Antrieb für ein gutes Leben. 

Im Studium der „Global Studies“ haben Sie sich insbesondere mit den Theorien wirtschaftlicher und politischer Systeme befasst.

Ja, am College erhielt ich viel Input in puncto Gemeindeentwicklung, verantwortungsbewussten Tourismus, Energieeffizienz und Nachhaltigkeit. Durch mein Fachwissen wollte ich diese Bereiche auf globaler Ebene weiter fördern. Mir persönlich ist es wichtig, neben Frieden und Gleichstellungsfragen auch die anderen Grundpfeiler des verantwortlichen Tourismus hervorzuheben.

Aber sind 18 Monate dafür nicht ein langer Zeitraum? 

Da ich sehr viel Energie habe und selten still sitzen kann, betrachte ich die Straße als mein Zuhause. 

Gibt es Länder, die Sie gerne länger bereist hätten?

Ja, da gibt es viele. Wahrscheinlich Japan und Südkorea. Leider hatte ich nicht so viel Zeit, die Orte in all ihrer Vielfalt zu erleben. Die asiatische Kultur ist so anders als meine eigene, und ich liebe die Menschen und das gesunde Essen dort.

Gab es viele Herausforderungen, denen Sie sich stellen mussten?

Ja, Tausende (lacht). Die Organisation von Visa, Finanzierung, Kommunikation, Reiseplanung, Veranstaltungen sowie die Verwaltung von meinen Webseiten, Social Media und das damit einhergehende Cybermobbing. Außerdem drehte ich viel Material für meinen Dokumentarfilm und musste mich auch physischen und psychischen Herausforderungen wie Schlafentzug oder Krankheit stellen, denen ich mich aber in meinem Buch näher widmen werde.

Welche Erfahrungen haben Sie in Nordkorea gemacht?

Überall waren die Menschen sehr freundlich und zuvorkommend. Besonders meine dortige Reiseführerin Frau Lee war eine wunderbar ehrliche Person. Meiner Meinung nach ist es wichtig, eine Verbindung zu den Menschen in Krisenländern aufzubauen. Daher sollten wir keine Unterschiede aufgrund von kulturellen Differenzen wie Religion, Ethnizität oder Geschlecht suchen, sondern den Fokus auf unsere Gemeinsamkeiten legen.

Würden Sie Ihr Projekt auch als „Women’s Empowerment“ bezeichnen?

Ja und nein. Da ich mich ungern in eine Schublade stecken lasse, würde ich mich selbst nicht als Feministin bezeichnen. Allerdings setze ich mich sehr stark für die Interessen von Frauen ein, da ihre Reisefreiheit deutlich eingeschränkter ist. Ich möchte als Vorbild dafür dienen, dass Frauen alles erreichen können, was sie wollen.

Hatten Sie manchmal Angst, alleine als Frau zu reisen?

Nein, ich respektiere die kulturellen Normen und trage Burka oder Hidschab, wenn es nötig ist. Durch die äußere Bedeckung meines Körpers verändert sich ja nicht meine innere Überzeugung. Allerdings habe ich es möglichst vermieden, mich nachts an verlassenen Orten aufzuhalten.

Um Ihr Projekt logistisch zu meistern, sind Sie insgesamt 255-mal geflogen und haben dabei hohe CO2-Werte verursacht. Haben Sie ein schlechtes Gewissen?

Nein, denn ich versuche, diesen Kohlenstoffdioxid-Ausstoß auszugleichen, indem ich bis zum Jahr 2020 für jede Tonne CO2, die ich durch die Flugreisen verursacht habe, sieben Bäume pflanzen möchte. Bislang sind es bereits 117 und weitere 617 werden noch folgen. Der Aspekt Nachhaltigkeit ist mir bei all meinen Reisen stets sehr wichtig!

Womit beschäftigen Sie sich zurzeit?

Gegenwärtig arbeite ich an der Fertigstellung meines Buches und Dokumentarfilms und setze mich für diverse soziale und umweltbewusste Projekte ein.

Übersetzung aus dem Englischen: Gesa Friederike Kuis

Informationen

Weitere Informationen finden Sie auf expedition196.com.

Illustrationen: UI/shutterstock.com