Neben dem Extremklettern unternimmt er Expeditionen an die „weißen Flecken“ unserer Landkarten, in völlig abgelegene Gebiete, abgeschirmt durch Eis und Kälte, durch undurchdringlichen Dschungel oder durch unüberwindbar scheinende Berge. Das Interview.

Wie sind Sie zum Klettern gekommen?

Durch meine bergbegeisterten Eltern. Nur wegen des Bergsteigens sind sie von Nord- nach Süddeutschland gezogen. Ich bin in Oberau bei Garmisch-Partenkirchen aufgewachsen. Deshalb stand im Sommer Bergsteigen auf dem Programm und im Winter Skifahren. Aber geklettert sind meine Eltern nicht. Mit zwölf Jahren nahm ich zum ersten Mal an einem Kletterkurs teil, später war ich bei der Bergwacht. Meine Eltern haben mich bei meiner Kletterleidenschaft immer stark unterstützt.

Jede Route birgt Problemstellungen, erfodert neue Griffkombinationen und ein ausgeprägtes und geschultes Zusammenspiel von Körper und Geist.

Was fasziniert Sie daran besonders?

Klettern kann man auf der ganzen Welt, und das ist meine persönliche Bühne. Für uns Kletterer gibt es in jedem Land Herausforde-
rungen: Jede Route birgt Problemstellungen, erfordert neue Griffkombinationen und ein ausgeprägtes und geschultes Zusammenspiel von Körper und Geist.

Bitte erzählen Sie uns von der ergreifendsten Situation beim Klettern.

Es sind zum Teil ganz banale Situationen. Doch beim Klettern in einer großen Wand sind diese so intensiv, dass man sie sein Leben lang nicht vergisst. Ein Beispiel ist der Mount Roraima Tepui: Wir waren seit Tagen in der Südwand, direkt über dem unendlichen Urwald von British Guyana.

Jeden Abend entluden sich heftige Gewitter über dem Tafelberg und riesige Wasserfälle rauschten mit ohrenbetäubendem Lärm in die Tiefe. Wir lagen geschützt in unserem Wandzelt und waren in diesem Moment dankbar, so etwas Grandioses erleben zu dürfen. Das sind Augenblicke, die ich auf meinen Expeditionen suche. Sie sind für mich der wahre Reichtum im Leben.

Und was war die gefährlichste?

Vor meiner Antarktisexpedition geriet ich bei einer Trainingstour im Engadin in eine Lawine. Meine Partner und ich schätzten einen Hang falsch ein und kreuzten ihn nur wenige Meter zu tief. Dadurch lösten wir ein Schneebrett aus und ich wurde 300 Meter durch eine felsdurchsetzte Rinne hinabgespült. Die Rinne machte eine Kurve und ich wurde geradewegs ausgespuckt. Das war mein Glück. Denn gleich nach der Kurve brach die Wand 200 Meter in die Tiefe ab.

Ich hatte schwere Prellungen, Platzwunden und abgerissene Bänder im linken Sprunggelenk. Zudem habe ich mir die Frontzähne ausgeschlagen und meine Lippe wurde durchtrennt. Aber es war nicht so schlimm, denn diese Verletzungen sind heilbar. Meine Partner sind rechtzeitig aus der Lawine gekommen und kümmerten sich um einen Helikopter, der mich ins Krankenhaus flog. Das war eine schmerzhafte, aber enorm wichtige Erfahrung für meine weiteren Expeditionen.

Wie steht Ihre Familie zu Ihrer Leidenschaft?

Meine Kinder kennen mich nicht anders. Sie sind mit meiner Kletterleidenschaft aufgewachsen. Meine zweite Frau versteht mich sehr gut, denn sie lebt ihre eigene Leidenschaft: Modedesign. Es ist zwar eine komplett andere Welt, aber so versteht sie durchaus, was Leidenschaft bedeutet. Sie hat grenzenloses Verständnis für meine Kletterei.

Wo kann man in Deutschland am besten klettern?

Die nördlichen Kalkalpen, wie das Wettersteingebirge oder die Berchtesgadener Alpen, sind hervorragende und spannende Ziele für Mehrseillängenrouten mit alpinem Charakter. Allen voran das Oberreintal im Wetterstein – eine Hochburg für Gebirgskletterer. Für das Sportklettern empfehle ich die Fränkische Schweiz bei Nürnberg.

Und wo in Europa?

Spanien und Frankreich gelten als die Länder mit den meisten und besten Sportklettergebieten. Mein Lieblingsgebiet ist die Verdonschlucht in Frankreich.

Bitte geben Sie Kletteranfängern Tipps.

Einsteiger sollten anfangs nur unter fachkundiger Anleitung klettern – mit einem Kletterlehrer in der Halle oder einem Bergführer am Fels. Und natürlich sollte man so oft wie möglich zum Klettern gehen und üben. Denn der Sport lebt von viel Erfahrung. Nur so kann man ihn sicher betreiben.