Was war für dich der ausschlaggebende Punkt, deinen Traum in die Tat umzusetzen?

Wenn man es auf einen Punkt runterbricht, war es so, dass wir im Studium – ein Kumpel und ich – an einem Projekt gesessen haben, das dringend fertig werden musste. Wir haben uns mehrere Nächte um die Ohren geschlagen. Irgendwann nachts um drei sagte dann jemand „Also nach dem Studium muss das aber anderes werden!“ Da entstand die Idee eines anderen Lebens, des Reisens, der Motorradtour – und wir haben angefangen zu planen.

Wie lange habt ihr euch auf die Reise vorbereitet? 

Die intensive Planung hat etwa ein Vierteljahr gedauert, Visa organisieren, Route austüfteln und so weiter. Im Kopf und insgesamt begann die Vorbereitung aber eigentlich sobald  wir gesagt hatten „Ok, das machen wir!“. Führerschein machen zum Beispiel, Motorrad kaufen, das war halt in der Zeit. Wenn man das als Vorbereitung zählen will, dann war es vielleicht sogar ein ganzes Jahr.

Bei einem derartigen Projekt ist es schwer vorherzusagen, was man alles mitnehmen muss. Würdest du im Nachhinein sagen, dass du „richtig gepackt“ hast? Gab es Sachen, die du vermisst hast beziehungsweise welche, die sich als völlig überflüssig herausstellten?

Wir hatten das auf jeden Fall. Es war weniger, dass wir das Falsche dabei hatten – wir hatten einfach zu viel. Wir haben das dann nach und nach zurückgeschickt, verschenkt oder weggegeben, das waren ganz viele Sachen. Wenn man sich auf so eine lange Reise einlässt, durch so viele verschiedene Regionen mit so vielen Kulturen fährt, kann man eigentlich nicht wissen, was man brauchen wird. Man versucht das dann zu kompensieren, indem man alles Mögliche, jedes Gadget und Equipment dabei hat, um für jede Situation gewappnet zu sein; ist aber ein Trugschluss, man macht sich damit nur das Leben schwer. Jeder Gegenstand geht einem jeden Tag durch die Hände – morgens beim Einpacken, abends beim Auspacken.  

 Route - Ein Klick verrät, wo sich die Beiden gerade aufhalten. 

Gab es etwas, das auf der Tour überraschenderweise besonders wichtig war?

Ich kann mich erinnern, als wir losgezogen sind, da gab es diese selbstaufblasenden Matten mit Schaumstoff. Die waren recht bequem und isolierten sehr gut. Dann kam es aber so, dass eine komplett neue Technologie entwickelt wurde. Auf einmal war das Packmaß auf ein Viertel oder weniger reduziert, das Gewicht verringert, der Schlafkomfort verdoppelt. Das kann halt passieren mit allen möglichen Komponenten, mit Werkzeugen, am Motorrad, mit der Navigation, mit dem Kochen unterwegs. Wenn ich sagen müsste „Das braucht man auf jeden Fall“ – da würde ich verblüffenderweise sagen: eine Sonnenbrille, einen Sonnenhut und eine dicke Jacke. Je nachdem wo man unterwegs ist. Alles andere ist relativ (lacht)

Du bist nach deiner ersten großen Reise zusammen mit deiner Freundin Joey nochmal aufgebrochen. Wie hat sich das Reisen verändert, im Vergleich zum Trip mit deinem alten Kommilitonen? 

Für mich war es ein ganz neues Reisegefühl! Erstens jemanden zu haben, der einem wichtiger ist als die Reise selbst – und zweitens, dass die Person auch noch sehr angreifbar ist auf dem Motorrad. Um meine eigene Sicherheit hab ich mich eigentlich nie groß geschert. Mir war es egal, ob ich im Straßenrand irgendwo übernachte oder wochenlang nur Nudeln und Ketchup bekomme. Aber wenn man mit jemandem reist der einem wichtig ist, dann versucht man so ein bestimmtes Mindestniveau an Sicherheit und Komfort zu bieten. Das war auf jeden Fall eine Herausforderung und auch eine andere Sichtweise auf das Reisen, die mir Kopfzerbrechen bereitet hat für lange Zeit.

Was muss ein zukünftiger Abenteurer mitbringen, um eine derartige Reise nicht nur anzutreten, sondern auch durchhalten zu können?

Es ist davon abhängig, welche Einstellung man hat und auch die Erfahrung. Wenn ich mich zurückerinnere, in den ersten Monaten oder auch vor der Reise habe ich mir sehr viele Gedanken gemacht und mir alles Mögliche vorgestellt, „was alles passieren kann“. Als ich unerfahren war, sind natürlich schon mal blöde Sachen passiert, wo man dann irgendwo in der Kälte steht oder im Regen, oder der Sprit geht aus mitten in der Wüste. Man hat auch noch nicht so ein Feingefühl für Personen aus einer anderen Kultur, man kann Situationen noch nicht so gut lesen. Zum Beispiel ein Gespür für Gefahr: „Wird das hier gleich gefährlich? Könnte die Situation schnell kippen?“ Bevor man sowas gelernt hat, passieren natürlich schon Sachen, wo man sich fragt: „Was mache ich hier eigentlich?“

Das alles ändert sich, wenn Erfahrung dazukommt. Ich war auf dieser Reise jetzt sechs Jahre unterwegs, davor schon mehrere Jahre zusammenhängend mit dem Camper-Van, mit dem Fahrrad, mit dem Rucksack und so weiter. Wenn man das Reisen als Lebensphilosophie adoptiert hat, dann geht man da ganz anders ran.

Im Großen und Ganzen überwiegen aber bei Weitem die positiven Momente, die beeindruckenden Erlebnisse, die tollen Menschen, die man kennenlernt, die Panoramen, die man immer wieder vor sich sieht – das hinterlässt viel tiefere Eindrücke. 

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Foto: Josephine Floh & Daniel Rintz
Foto: Josephine Floh & Daniel Rintz
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Foto: Josephine Floh & Daniel Rintz
Foto: Josephine Floh & Daniel Rintz
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