Seine sagenhaften Eindrücke, Einsichten und Tipps für die, die es ihm gleichtun wollen, teilt er mit den Lesern von Mediaplanet.

Zur Faszination Motorrad bin ich über einen ulkigen Umweg gelangt: Vor Jahren arbeitete ich in einem medizintechnischem Unternehmen und ein Mitarbeiter, der sein Zweirad immer etwas unsachgemäß vorm Büro parkte, bot mir auf meine Beschwerde hin an: „Probieren Sie doch mal!“ Ich probierte und war auf Anhieb verloren.

Mein Kopf war dauernd mit der Arbeit beschäftigt. Auf dem Motorrad jedoch legte es immer wieder den Hebel um. Die pure Konzentration auf das Fahrvergnügen hatte mich alle Arbeit vergessen lassen. Freude machte sich von innen breit, als ich damals die ersten Male mit meinem Motorrad durch das Wispertal in Hessen fuhr. Plötzlich wollte ich auf diesem Wege die Welt entdecken.

Nach ersten Plänen im Jahre 2000 kam es dann 2008 endlich dazu, dass wir diese atemberaubende Reise umsetzten. Leuchtende Kinderaugen an den Straßenrändern Marokkos oder Patagoniens, das wilde Treiben auf den Straßen Chinas, die Ausblicke in den Anden – unvergleichlich.

Traumziele zu Wirklichkeitszielen

Mit etwas Selbstüberwindung erreichte ich als eigentlich touristenscheuer Mensch die Inkafestung Machu Picchu. Und ich dankte es mir, diesen einmaligen Ort, dieses Zeugnis menschlicher Hochkultur, besucht zu haben.

Im hin- und hergerissenen Sein als Motorradfahrer zwischen technisch herausfordernder Strecke und toller Landschaft, zähle ich die Andenpässe zu den schönsten Strecken. Vorbei am 6.962 Meter hohen Aconcagua, dem höchsten Berg Südamerikas, an Wäldern und Gletschern stockte mir vor Staunen der Atem.

In Bogota stiegen in einem SOS-Kinderdorf die Kleinen zu uns auf die Motorräder, erst waren es zwei drei, dann fünf und am Ende waren wir umringt von 30. Unter Kontrolle der Mütter fuhr manch ein Kind ganz verzaubert mit uns fünf Runden.

Tipps für Nachahmer

Ich kann jedem, der solch eine Tour plant, nur empfehlen: Nehmt euch Zeit! Klar hat man Kilometer, Strecke, Zielpunkte auf der Agenda, aber die Fülle der Welt belehrt einen, dass es viel mehr gibt. Vor allem auch Unvorhergesehenes. Und das fängt mit der eigenen Begeisterung an. An manchen Orten muss man einfach ein paar Tage länger bleiben. Oder eine Gruppe muss sich aufspalten, um an anderem Ort wieder zusammenzutreffen.

Zudem sind Straßen der Welt nicht überall mit Europa vergleichbar, der Verkehr schon gar nicht. Vor allem ist es aber das Kennenlernen, die Begegnungen, denen man ausreichend Zeit einräumen sollte.

Mit Händen und Füßen

Dabei dient – und das ist in keiner Weise zu unterschätzen – das Motorrad als Instrument der Kommunikation. Was das Auto an logistischen und komfortablen Maßstäben zur Normalität macht, fehlt hier einfach und ist allen Strapazen zum Trotz ja freiwillig. Und damit ist man für viele ein bisschen der sympathische Verrückte, der auf zwei Rädern um die Welt reist. Auf dem Motorrad ist man vielmehr der Abenteurer als der Tourist.

Dadurch sind wir mit vielen Menschen in Bekanntschaft getreten, und wenn nur Hände und Füße für die Verständigung zum Einsatz kamen. Die Menschen sind neugierig und wir sind auf der ganzen Reise nicht einmal wirklich bedroht wurden. Dennoch gibt es Gebiete, die man meiden sollte, so zum Beispiel den durch den Drogenkrieg aufgewühlten Norden Mexikos, bestimmte Gebiete in Süd- und Zentralamerika.

In China hatten wir einst eine Mordsgaudi, als wir mit unserer Gruppe in einem Restaurant einkehrten. Wir Langnasen haben bei den Chinesen für einen solchen Spaß gesorgt, dass uns die Wirte bei der Frage nach der Rechnung zu erkennen gaben, dass mit dem bereiteten Vergnügen, die Rechnung längst beglichen sei. So etwas vergisst man natürlich nie.