Im April 2016 bin ich losgefahren, weil ich Abstand vom Alltag brauchte und mich „entstressen“ wollte. So habe ich mich auf mein Motorrad gesetzt und bin aufgebrochen. Fehlte nur noch das Ziel. Nach langem Überlegen, habe ich mich dafür entschieden, alle europäischen Länder zu besuchen. Momentan ist in Europa so viel los und ich habe das Gefühl, dass alles sich fast täglich ändert. Europa ist in einem stetigen Wandel und wird in fünf Jahren nicht mehr das Gleiche sein. Deshalb wollte ich meine Nachbarn  jetzt kennenlernen.

Ich hatte wirklich keine Ahnung von Europa, außer, wie es auf der Karte aussieht. Bevor ich losgefahren bin, habe ich alle meine Sachen verkauft, weil ich nicht viel mehr als drei kleine Motorradkoffer mitnehmen konnte. Außerdem bedeutet für mich keine Sachen zu haben gleich keine Sorgen. Ich habe die Wohnung gekündigt und habe Leute gefragt, wo ich hinfahren soll und was ich mir anschauen soll.

Dann habe ich meine Route geplant. Im Sommer in die nördlich gelegenen Gegenden und im Frühling und Spätsommer/Herbst in die südlichen Regionen. Das hieß: im Frühling Balkan, im Sommer England/Irland und im Herbst Frankreich, Italien und Spanien.

Ich fand es unglaublich, dass ich so viele Reaktionen auf meinen Social-Media-Kanälen erhalten habe und auch sehr oft von den Einheimischen eingeladen wurde. Außerdem haben sie mir auch ihre Gegend gezeigt und wie das Leben dort ist. Bosnien und Herzegowina, Montenegro und Albanien sind wunderschöne Orte. Oft wurde ich gefragt „Was machst Du hier alleine?“, und die lokale Bevölkerung hat mich fast schon als Sehenswürdigkeit behandelt. Sie wollten sogar Selfies mit mir machen und diese bei Facebook veröffentlichen. Es kam sogar soweit, dass ich im serbischen sowie bulgarischen Nationalfernsehen zu sehen war.

Um Land und Leute kennenzulernen darf man kein Tourist sein.

Vom Balkan aus bin ich nach Istanbul weitergereist. Zu der Zeit war das etwas schwierig, wegen der Attentate die dort verübt wurden. Deshalb habe ich meinen Eltern auch nicht erzählt, dass ich nach Istanbul gereist bin. Das tat ich erst, als ich vier Tage später wieder zurück in Bulgarien war. Nur einen Tag später gab es circa
 300 Meter entfernt vom Hotel, in dem ich war, einen Terroranschlag. Dies hat mich sehr betroffen gemacht. Doch ich ließ mich dadurch nicht einschüchtern und reiste weiter nach Rumänien und in die Ukraine. Dort erwartete mich eine komplett andere Welt. Ich musste zunächst etwas kyrillisch lernen, weil ich sonst nicht gewusst hätte, wo ich lang fahren muss. Restaurants, Straßenschilder – all das würde man nicht erkennen.

Vom Krieg habe ich in der Ukraine nichts mitbekommen, da ich eher in der Westukraine unterwegs war. Mit 37 °C war es dort so warm, dass ich danach in die Alpen „geflüchtet“ bin. Dort konnte ich in Österreich und der Schweiz wunderschöne Bergstraßen und Pässe langfahren. Dort herrscht wieder eine komplett andere Mentalität. Ich war dann nicht mehr die „Sehenswürdigkeit“, sondern ein ganz normaler Tourist. Von dort aus bin ich weiter nach England, Irland und Schottland gefahren.

Dort angekommen hat mich meine Freundin ein kurzes Stück begleitet. Es war eine sehr schöne Zeit, allerdings nicht so spektakulär wie in Osteuropa. Die Leute dort sahen mich halt als Tourist. In Spanien und Portugal wendete sich das Blatt wieder. Sie haben mich dort sehr willkommen geheißen. Ich wusste bis zu diesem Zeitpunkt auch gar nicht, wie schön Nordspanien ist.

Mein Motorrad steht aktuell immer noch in Lissabon.

Ich kannte bis dahin nur Südspanien und musste feststellen, dass Nordspanien ein absolutes Paradies ist. Auch Portugal ist wunderschön. Besonders bemerkenswert ist die dortige Gastfreundschaft. Ich habe die Einheimischen nur nach dem Weg gefragt und wurde sofort zum Essen und Übernachten eingeladen, egal ob man andere Pläne hatte oder nicht. Solch eine Herzlichkeit erlebt man wirklich nur selten. Das war wirklich eine der schönsten Erfahrungen, die ich bei meiner Europatour gemacht habe und ich bin mir auch ziemlich sicher, dass ich noch nicht fertig bin.

Mein Motorrad steht aktuell in Lissabon, dort habe ich es stehen lassen da ich zum Winter eine Pause brauchte. Man kann sich an der wunderschönen Natur auch tatsächlich irgendwann satt sehen. Es fehlen auch die Menschen, die man liebt, schließlich habe ich sie mehr oder weniger sieben Monate nicht gesehen. Man vermisst sogar seine Arbeit und das normale Gehen, so dass man auch den Urlaub nicht mehr richtig genießen kann. Es sollte immer wieder Abwechslung im Leben geben. Auch in meinem Leben.

Aber, wenn es weitergeht, stehen Marokko, Andalusien, Korsika, Sardinien und Sizilien ganz oben auf meiner Liste. Da ich jedoch nicht möchte, dass man mich als Tourist wahrnimmt, reise ich weiter allein und individuell. Denn um Land und Leute kennenzulernen, darf man kein Tourist sein. Ich möchte die Menschen und Kulturen kennenlernen und das geht nur, wenn die Einheimischen Dich einladen und Dir zeigen „So wohne ich und so lebe ich“! Wenn ich „mein“ Europa dann gesehen und befahren habe, will ich weiter nach Amerika. Das ist dann mein nächstes großes Projekt. Leider gibt es noch keinen konkreten Plan, wann es weitergehen soll. Aber es wird weitergehen!

Information

Weitere Informationen rund um das Abenteuer finden Sie unter: www.niek.in/europe.

Niek.in Europe