Will man sich die ganze Bandbreite aller Bekleidungsmöglichkeiten vorstellen, scheinen „Funktionskleidung“ und „Fashion“ die beiden natürlichen Pole zu bilden, die beiden absoluten Gegensätze, zwischen denen sich alles einordnen lässt, was man anziehen kann.

Hier ein winziges, glitzerndes Etwas, mit dem man kaum problemlos über den roten Teppich kommt – dort ein derbes Stück reißfeste, wasserdichte Forscher-Faser, die nach einer Himalaya-Expedition genauso aussieht wie vorher.

Soweit die absoluten Extreme. Dazwischen gibt es alles Mögliche, dass Elemente des Einen mit Ansätzen des Anderen verbindet. Schon seit vielen Jahren spielt das, was als „Urban Outdoor“ ein immer größerer Trend wird, eine immer größere Rolle für Textil- und Modeindustrie.

Atmungsaktive Winterjacken sehen jedes Jahr besser aus und fallen in der überfüllten U-Bahn immer weniger auf –beziehungsweise wenn überhaupt, dann eher positiv als negativ. Und auch andersrum hat die Entwicklung durchaus Vorteile: Berg- und Wintersportler freuen sich über immer schickere Modelle und immer größere Auswahl.

Nur weil man hobbymäßig leidenschaftlich in der Natur unterwegs ist, heißt das ja noch lange nicht, dass man keinen Wert auf eine schöne Farbe oder einen guten Schnitt legen würde.
Und jetzt, wo sich vor allem in der Männermode vieles um Streetwear dreht, wird auch Outdoor-Bekleidung immer beliebter.

Die hohe Funktionalität macht sie mehr und mehr zum Alltags-Basic, fast wie Cardigan und Jeansjacke – mit dem Unterschied, dass der Outdoor- und „Active Wear“-Hintergrund dazu führt, dass man tatsächlich sehr gut vor Regen, Schnee und Kälte geschützt ist. Schlechtes Wetter macht jedenfalls bisher noch keinen Unterschied zwischen „Urban“ und „Functional“; im Zweifelsfall regnet es auf Ballkleider und Baumwolle genauso herab wie auf dreifach beschichtetes Polyutheran.

Was für „Outdoor“ gut ist, kann für „Urban“ nicht schlecht sein

Aber die Vorteile reichen weiter als Wasserdichte und Langlebigkeit. Neue Verfahren bei der Herstellung ermöglichen auch immer leichtere Kleidung, dank der Verarbeitung dünnerer Fäden gelingt es, immer leichtere Stoffe zu produzieren.

Und da der grundsätzliche Aufbau aus Stoff- (Polyester) und Membranschichten beibehalten wird, bleiben die positiven Eigenschaften erhalten. Dieses Prinzip hat in der Praxis jede Menge coole Konsequenzen, von denen wir als Endverbraucher nur profitieren können.

So finden immer mehr Technologien und Ideen, die für extreme Bedingungen entwickelt wurde, den Weg in den Alltag. Zum Beispiel Schuhsohlen, die Rutschgefahr über eine thermische Reaktion anzuzeigen und im Zweifelsfall sogar reagieren können , so dass man beim Wandern – in der Einkaufsmeile oder auf dem Achttausender – nicht ins Rutschen gerät.

Viele solcher Innovationen, wie zum Beispiel innenliegende Nähte oder eine verbesserte Atmungsaktivität, wird man vielleicht nicht sofort oder sogar überhaupt nicht sehen können, da sie ursprünglich für mehr Komfort und Langlebigkeit entwickelt wurden und nicht für den äußeren Effekt.

Nach einigen Jahren „Urban Outdoor Trend“ ergibt sich längst kein Bild der unvereinbaren Gegensätze mehr, eher im Gegenteil: Beide Welten, Laufsteg und Wanderweg, profitieren voneinander und zeigen immer mehr, wie Bekleidung doch eigentlich sowieso sein sollte: Möglichst schick und möglichst praktisch.