Stellen Sie sich vor, Sie packen gemütlich ein paar Gepäckstücke in den Kofferraum. Sobald das erledigt ist, gibt’s erst mal Kaffee und Kuchen. Keine Hektik. Sie wollen mit der Familie in den Süden Norwegens, und Norwegen ist ja irgendwie das Gegenteil von Hektik. Ob es nach Kristiansand an der Südspitze geht, nach Langesund, Stavanger oder bis hoch nach Bergen – wer hätte schon mal von nervösen, gestressten, aufgeregten Norwegern gehört?

Nur die Kinder sind natürlich aufgeregt, Norwegen! Schneesturm, Wikinger, Elche überall. Sie nehmen sich noch ein Stückchen Kuchen und lächeln. Norwegen! Sauna, Weite, Ruhe überall.

Zeit, Platz, nette Menschen, im Prinzip überall das Gegenteil von allem, was man im Urlaub nicht gebrauchen kann. Aber Moment, denken Sie bei sich, ich bin ja noch gar nicht da. Beinahe hätte die Entspannung schon jetzt, bei der bloßen Vorstellung eingesetzt. Nein, so versuchen Sie, traditionelle Urlaubshektik aufkommen zu lassen, erst muss ja die Reise angetreten, das Ziel erst noch erreicht werden. Was kann da nicht noch alles schiefgehen!

„Was kann da nicht alles schiefgehen?!“ Gute Frage.

Während die Kinder sich Snowboard-Videos auf ihren Smartphones zeigen, starten Sie spaßeshalber mal den Versuch: Ja, was könnte nicht alles noch schiefgehen! Wir könnten auf dem Weg zur Fähre merken, dass wir was vergessen haben. Warme Unterwäsche … oder warum nicht gleich das Snowboard vom Ältesten? Hm, aber die Norweger haben warme Unterwäsche ja erfunden; Sie wollten sowieso eine Garnitur neue Unterwäsche mitbringen. Ski und Snowboards gibt es überall günstig auszuleihen, und außerdem wohnen Sie ja in einer malerischen Ansammlung kleiner Holzhäuschen, wo man sich erfahrungsgemäß vor der Hilfsbereitschaft der Norweger und der anderen Gäste mal wieder kaum wird retten können.

Sie fangen fast schon wieder an zu lächeln und geben sich aber schnell einen Ruck: Auf dem Weg zur Fähre könnte Streit ausbrechen! Klassiker. Was machen wir dann? Ganz einfach: Wir lassen die Kinder – meine Güte, es ist 2017 – einfach die Suchwörter „Norwegen“ und „Natur“ ins Tablet eingeben – und zack, ist Ruhe. Okay, aber was ist auf der Fähre selbst? Je nach Destination kann die Fahrt ja schon ein bisschen dauern.

Einfach: Wir trinken einen Tee und blinzeln über die glitzernde See nach Norden. Die Suchbegriffe müssen nirgendwo mehr eingegeben werden, sie springen von allen Seiten an Bord. Okay, okay, geschenkt, denken Sie sich, sagen wir mal, die Überfahrt gelingt. Und geschenkt, dass allein die Fahrt übers Nordmeer schon absolut traumhaft ist und regelmäßig alle an Bord in tiefe Zufriedenheit stürzt.

Wer sich Sorgen machen will, ist hier hoffnungslos verloren

Was, wenn wir landen und eins der Kinder ist unterwegs in die Pubertät gekommen? Und auf einmal ist Urlaub mit der Familie, im Blockhaus oder im schönen Hotel, das Allerletzte? Ja, was machen Sie dann? Sie versuchen wirklich, sich auf mögliche Horrorszenarien zu konzentrieren, aber eigentlich denken Sie sofort an Hochseeangeln im Fjord, an Lagerfeuer und Höhlen, an Kletterparks, Wildwasser-Rafting und die vielen anderen Jugendlichen … Ach, es ist hoffnungslos!

Sie kommen wieder zu sich und nehmen noch ein Stückchen Kuchen. Müssen wir nicht langsam los? Nein, wir haben genug Zeit eingeplant. Rechtzeitig losfahren ist eigentlich das Einzige, was man „muss“, wenn es nach Südnorwegen geht. Einmal an Bord, geht die Tiefenentspannung los.

Aber vielleicht wohnen Sie ja auch gar nicht im Holzhaus, sondern gleich im eigenen Wohnmobil? Oder Sie legen es geradezu auf Stress an und fahren mit dem Auto von Hotel zu Hotel? Sie müssten immer noch irgendwie an den ganzen Sehenswürdigkeiten, der imposanten Natur und den freundlichen Menschen vorbei … aber vielleicht haben Sie ja wirklich Glück und es geht etwas schief! Dann können Sie sich über die Kinder beim Spielen im Pulverschnee ärgern und dem nächst-
besten, verdammt niedlichen Eichhörnchen zurufen: „Nie wieder Norwegen!“