Sie bezeichnen sich selbst als Besucher. Bitte gehen Sie näher darauf ein.

Ich will damit sagen, dass ich mich nicht als Abenteurer sehe, des Abenteuers willens in fremde Länder fährt. Ich will eher still beobachten, dokumentieren und dann leise wieder abreisen.

Wie sind Sie zur Naturfotografie gekommen?

Ich bin schon immer gerne in der Natur gewesen, beispielsweise bei mir zu Hause in den Alpen. Schon als kleiner Junge war ich mit meinen Eltern fast jedes Wochenende beim Bergsteigen, später dann mit Freunden und Freundin. Irgendwann Anfang der 90er-Jahre habe ich dann von meinem Vater eine Kamera geschenkt bekommen, und so fing alles an.

Was ist Ihr persönliches Lieblingsmotiv?

Mein persönliches Lieblingsmotiv sind Bären aller Art. Ob Eisbären, Braunbären oder Schwarzbären. Der Bär steht für mich für Wildnis, Natur, Kraft, Anmut! Er ist ein so wunderbar scheues Lebewesen und gleichzeitig eines der gefährlichsten Landraubtiere der Erde. Haben Sie schon mal einen riesigen Braunbären gesehen und erlebt, wenn er direkt vor Ihnen durchs Wasser jagt und am Ende einen riesigen roten Lachs im Maul hat? Das ist Natur pur, deswegen reise ich in den Norden.

Was möchten Sie mit Ihren Bildern zum Ausdruck bringen?

Es kommt darauf an, was ich fotografiere. Wenn ich Landschaften fotografiere, möchte ich die Menschen in eine Zauberwelt aus Licht führen. Landschaftsfotografie lebt von Licht, ohne Licht entstehen keine guten Landschaftsfotos. Wenn ich Tiere fotografiere, möchte ich zum einen eine Verhaltensweise des Tieres zeigen, zum anderen möchte ich das Tier in einem besonderen Moment zeigen.

In den letzten Jahren hat sich mein Fokus aber immer mehr Richtung Umweltschutz verschoben. Heute dokumentiere ich ganze Regionen, Lebensräume, um mit meinen Bildern darauf hinzuweisen, dass wir diese Regionen nicht zerstören dürfen. Ich will zeigen, was wir verlieren, wenn wir so weitermachen wie bisher.

Bitte beschreiben Sie uns den schönsten Ort der Welt.

Für mich gibt es sogar zwei schönste Orte der Welt. Das ist zum einen das bayerische Alpenvorland rund um Murnau und Kochel am See. Es wird auch als das „Blaue Land“ bezeichnet. Wer hier schon mal auf der Aidlinger Höhe gestanden und über den Riegsee auf das Zugspitzmassiv geschaut hat, der weiß, wovon ich rede. Diese Region bedeutet Heimat für mich. Hier fühle ich mich am wohlsten, hier kann ich am besten fotografieren.

Und der zweite Lieblingsort?

Der zweite meiner Sehnsuchtsorte liegt in Alaska. Der Denali-Nationalpark in Zentralalaska ist Wildnis pur. Hier steht mit dem Denali der höchste Berg Nordamerikas, die Bergwelt ist ebenso gigantisch wie die Tierwelt. Hier ziehen Bären, Luchse, Wölfe, Karibus, Elche über die Tundra. Die Zeit scheint hier stehen geblieben zu sein. Wenn ich im Denali-Nationalpark unterwegs bin, dann bin ich wirklich frei. Um mich herum nur Natur, wilde Tiere, Freiheit!

Woher kommt Ihre Leidenschaft zur Arktis?

Ich mag es einfach kalt. Mir machen plus 20 Grad schon zu schaffen. Nein, im Ernst. Die Arktis ist Natur pur. Dort oben ist es so wunderbar ruhig, wenig Menschen, große weite Landschaften. Darüber hinaus mag ich die nordische Tierwelt. Ich ziehe Eisbären jedem Löwen und Elefanten vor.

Die Tiere des Nordens müssen immer kämpfen – ich mag diese Kämpfernaturen. Darüber hinaus habe ich ja Ethnologie studiert und mich schon immer mit den Völkern des Nordens beschäftigt. Seien es die Inuit, die Samis oder die Dolganen in Sibirien.

Ich glaube, es ist in erster Linie ein besonderes Gefühl, das mich immer wieder in den Norden zieht. Dieses Gefühl ist schwer zu beschreiben. Entweder man hat es und man liebt den kalten Norden oder man hat es nicht. In der Regel ist die erste Arktisreise entscheidend. Wird man hier vom arktischen Virus infiziert, dann hat man ihn und bekommt ihn nicht mehr los.

Sie engagieren sich auch für Greenpeace. Warum?

Ich glaube, die Zeiten, in denen wir Fotografen nur heile Welt zeigen konnten, ist ((sind)) längst vorbei. Reine Reise- oder Abenteuerfotografie um ihrer selbst willen ist an Trivialität nicht zu überbieten. Die Welt steht vor so riesigen Problemen. Schauen Sie sich den Klimawandel an. Der Klimawandel ist die Katastrophe des 21. Jahrhunderts, und keinen interessiert es wirklich.

Der Klimawandel hat schon jetzt die Welt dramatisch verändert, und er wird es in dramatischer Weise weiter tun. Wir werden ganze Ökosysteme verlieren, wie zum Beispiel meine geliebte Arktis.

Die Arktis wird in naher Zukunft im Sommer komplett packeisfrei sein. Was geschieht dann mit dem Eisbären? Er wird aussterben. Die Karibus werden verschwinden, weil sie es immer schwerer haben werden, an Nahrung zu kommen. Karibus sind auf lockeren Schnee angewiesen, den sie mit ihren Hufen beiseiteschaufeln können. Ist der Schnee schwer und nass, dann kommen sie nicht mehr an die für sie so wichtigen Moose und Flechten.

Die gesamte Tierwelt der Arktis steht auf der Kippe, aber auch der Lebensstil der Ureinwohner. Und Sie müssen sich vorstellen, die Arktis, aber auch die Antarktis sind die Kühlschränke der Erde. Ohne diese Kühlung wird es auf der Erde so richtig warm werden. Wir verlieren im Moment in den Alpen all unsere Gletscher – Wahnsinn, die Alpen ohne Gletscher, unvorstellbar. Der Klimawandel greift also zwei meiner absoluten Lieblingsgebiete frontal an und wird sie unfassbar verändern.

Der Klimawandel wird aber auch die gesamte Welt verändern. Es wird zu Völkerwanderungen in noch nicht da gewesenem Ausmaß kommen. Das, was wir jetzt als sogenannte Flüchtlingswelle erleben, wird nichts im Vergleich zu dem sein, was kommen wird, wenn sich die halbe Welt auf zu, im wahrsten Sinne des Wortes, neuen Ufern machen muss.

Mir als Fotografen liegt viel daran, den Leuten zu zeigen, was passiert, was in der Arktis passiert. Vielen ist das gar nicht bewusst. Viele sehen den Klimawandel als überhaupt nicht gefährlich – ist doch schön, wenn es wärmer wird. Wir Fotojournalisten müssen den Menschen zeigen, dass es einen Zusammenhang zwischen schmelzenden Gletschern und dem Klima in unseren Breiten gibt.

Greenpeace ist für mich ein glaubwürdiger Partner. Ohne das Engagement von Greenpeace sähe die Welt viel schlimmer aus. Wir brauchen Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace, die hartnäckig, unerschrocken, mutig immer wieder den Finger in die Wunden legen, bis sich was zum Positiven verändert – und ich will einen Beitrag dazu leisten. Bilder können bewegen …!

Bitte erzählen Sie uns zum Abschluss von Ihren aktuellen oder kommenden Projekten.

Ich will nicht zu viel verraten, aber ich versuche, immer an zwei großen Projekten gleichzeitig zu fotografieren. Eines, das sich mit den Alpen beschäftigt, und eines, das mich in den hohen Norden führt. An beiden Themenbereichen bin ich wieder mit Herzblut dran. Besonders mein „Nordprojekt“ liegt mir wirklich am Herzen. Es wird mich in die verschiedensten Regionen des Nordens führen, und ich werde dort die unterschiedlichsten Themenbereiche fotografieren – nicht nur Natur, das sei verraten.

Ich werde über 20 Reisen unternehmen, um den Norden noch mal so zu zeigen, wie wir ihn in vielleicht 20 Jahren nicht mehr sehen werden. Ich werde versuchen, die Schönheit des Nordens herauszuarbeiten, aber auch auf die Gefahren durch Klimawandel und Erdölförderung aufmerksam machen. Ich will den Menschen den Norden der Welt als das zeigen, was er ist: ein Ort von unvergleichlicher Schönheit, ein Ort von unvorstellbarer Grausamkeit – ein magischer Ort! Buch und Vortrag werden 2017 auf den Markt kommen. Ich freue mich schon …