Als Fotograf sind Sie viel in der Welt unterwegs. Wie kam es dazu, als Fotograf zu arbeiten?

Das hat einen familiären Hintergrund. Mein Vater Manfred Küchler ist ein sehr guter Fotograf – die Leidenschaft wurde mir quasi in die Wiege gelegt. Schon früh stand ich zusammen mit meinem Vater in der Dunkelkammer und habe ihm beim Entwickeln geholfen – das hat mich unglaublich fasziniert. Meine erste Kamera habe ich von meinem Vater geschenkt bekommen, da war ich gerade mal ein Schulkind. Ich bin losgezogen und habe meine Welt fotografiert.

Und wann wurde es professionell?

Auch das liegt wohl in meinen Genen. Bis 1989 durfte ich aufgrund der Grenze nicht groß verreisen. Als diese dann offen war, hielt mich nichts mehr zu Hause. Ich lebte alle Reiseimpressionen, die ich vorher nur aus Büchern und Atlanten kannte. Dass ich all meine Eindrücke auch fotografisch festhalten wollte, lag für mich auf der Hand. Anfangs war das nur ein Hobby, doch diese Leidenschaft fürs Foto packte mich immer mehr, woraufhin ich es zu meinem Beruf gemacht habe. Heute weiß ich, dass dies die beste Entscheidung meines Lebens war, denn ich lebe meinen Kindheitstraum.

Was waren denn Ihre spannendsten Abenteuer?

Natürlich sind im Laufe der 25 Jahre, die ich jetzt schon unterwegs bin, viele unvorhersehbare Dinge passiert. Viele Bergbesteigungen, die ich zusammen mit meiner Frau Ariane gemacht habe, waren Adrenalin pur.

Inwiefern? Bitte geben Sie uns ein Beispiel.

Dramatische Szenen gab es beispielsweise in Ecuador, auf dem Chimborazo, als uns Lavabrocken um die Köpfe geflogen sind. Manchmal ist aber auch schon die Fahrt mit einem einheimischen Fahrzeug ein riesiges Abenteuer (lacht).

Und eine lustige Anekdote?

Einmal ist beim Wandern in Ecuador unter mir ein Steg zusammengebrochen und ich lag mit kompletter Ausrüstung im Wasser von einem Gebirgsbach. Meine Verzweiflung war groß, als ich sah, dass mehrere Tausend Euro davontrieben. Alle um mich herum haben sich kaputtgelacht – ich hätte heulen können.
Heute kann ich darüber aber auch lachen. Solche Anekdoten gibt es natürlich viele.

Es sind besonders Dinge, die im ersten Moment schrecklich erscheinen, im Nachhinein aber sehr witzig sind. Solche Geschichten erzähle ich auch gern bei meinen Vorträgen.

Wie suchen Sie Ihre Reiseziele aus?

Da ich früher nur gedanklich reisen konnte, habe ich alles, was es an Reiseliteratur gab, in mich aufgesogen. Besonders fasziniert haben mich die Geschichten von Sven Hedin, als dieser durch Tibet gefahren ist. Oder auch die Tagebücher von Alexander von Humboldt, in denen er seine südamerikanische Reise beschrieben hat. Ich dachte früher, dass ich all dies nie erleben werde. Und als es dann möglich war, habe ich es einfach getan und all meine Sehnsuchtsorte bereist.

Was inspiriert Sie auf Reisen zu fotografieren?

Ich versuche, schöne Momente einzufrieren, festzuhalten, mitzunehmen. Unser Gedächtnis ist leider ein sehr vergängliches, und manchmal sind es nur die Bilder, die uns überwältigende Stimmungen wiederbeleben lassen. Das Fotografieren an sich ist auch eine Inspiration für mich, denn es ist schon ein Privileg, die schönsten Orte der Welt bereisen zu dürfen und das auch noch seinen Beruf zu nennen.

Woran orientieren Sie sich bei Ihren Bildern?

An Lichtstimmungen, grandiosen Landschaften sowie Begegnungen mit Menschen und Tieren.

Worin besteht die größte Herausforderung beim Fotografieren von Mensch und Natur?

Wenn man sich neuen Themen widmet, steht die Recherche an erster Stelle. Herauszufinden, was könnte spannend und interessant sein. Durch das Internet gibt es nur noch wenige „weiße Flecken“ auf der Landkarte. Es ist schwierig geworden, Neues und Überraschendes zu finden und in Bildern festzuhalten. Aber genau das möchte ich machen. Das macht es aus.

Bitte gehen Sie kurz auf das Thema nachhaltiges Reisen ein.

Das ist das A und O bei meinen Reisen. Ich verlasse Plätze so, wie ich sie vorgefunden habe. Es gibt zum Glück Reiseanbieter, die sich darauf spezialisiert haben. Denn es macht einen Unterschied, ob man als Reisegruppe mit 40 Leuten über eine Düne in Namibia trampelt oder mit vier Menschen vorsichtig die Gegend erkundet. Respekt vor den Einheimischen und der Natur ist mir sehr wichtig. Ich würde mir sehr wünschen, dass diese Wertschätzung Normalität beim Reisen ist.

Was war Ihre letzte Reise?

Ich war in Bhutan. Dazu wird es auch einen Vortrag geben. Entweder „Auf der Suche nach dem Glück“ oder „Im Land des Donnerdrachen“. Dieses Land ist sehr faszinierend, weil 70 Prozent des Territoriums unter Naturschutz stehen und der Wohlstand des Volkes nicht nach dem Bruttosozialprodukt, sondern nach dem Bruttosozialglück gemessen wird. Das ist ein völlig neuer Ansatz, den die Menschen im Himalaya haben. Eigenschaften, die ich gern in Deutschland bekannt machen möchte.

Was wird die nächste?

Tansania ist noch ein Projekt von mir. Aber auch die nordischen Themen möchte ich weiter fortsetzen. Eins nach dem anderen.

Was haben Sie an Technik dabei? Kann man dies auch auf den Hobbyfotografen übertragen?

Das Erfreuliche ist, dass alles viel leichter und kompakter geworden ist. Ich bin immer mit zwei DSLR-Kameras und einer extrem hochauflösenden Videokamera unterwegs. Hinzu kommen ein Stativ, ein Tonaufnahmegerät und Ladegeräte. Dem Hobbyfotografen empfehle ich eine hochwertige Kamera mit zwei bis drei Wechselobjektiven – das reicht völlig aus. Das Wichtigste ist, dass man diese bedienen kann.

Weitere Informationn auf www.art-adventure.de

5 Fototipps für Ihr perfektes Urlaubsfoto

  • Tipp 1
  • Tipp 2
  • Tipp 3
  • Tipp 4
  • Tipp 5

Bewusster Einsatz von Blende- und Verschlusszeit.

Die meisten sind in der Programmautomatik der Kamera unterwegs, dies schränkt gestalterisch jedoch stark ein.

Am Motiv bleiben.

Lieber ein, zwei gute Aufnahmen pro Tag als 40 mittelmäßige oder schlechte, die man sich nie wieder anschaut.

Früh aufstehen, um mit einem guten Licht unterwegs zu sein.

Fotografieren heißt zeichnen mit Licht. Wenn kein gutes Licht da ist, macht man auch keine befriedigenden Bilder.

Unterwegs sein und rausgehen.

Man muss sich seine Motive erarbeiten. Am Aussichtspunkt für Touristen ist mit Sicherheit nicht das beste Bild.

Flexibel bleiben.

Sobald man sich auf eine Sache versteift, wird das Ergebnis lieblos. Nur wenn es immer einen Plan B im Kopf gibt, kann man loslassen und diese Freiheit auch in den Bildern widerspiegeln.