Urlaub auf Flüssen liegt somit im Trend. In Deutschland wurden voriges Jahr Kreuzfahrten für 435 Millionen Euro verkauft, ein Plus von zehn Prozent. Auch das Passagieraufkommen stieg auf 423.635 Gäste – ein Zuwachs von 1,9 Prozent. Erstmals seit 2011 nahm auch die Zahl der Passagiernächte wieder zu und stieg um 4,7 Prozent. Ein noch deutlicheres Wachstum zeigt sich für den gesamteuropäischen Markt: Im Jahr 2015 unternahmen insgesamt 1,33 Millionen Passagiere eine Flusskreuzfahrt in Europa. Dies entspricht einem Plus von 20,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Als beliebteste Fahrtgebiete stehen Rhein und Donau bei den Deutschen an erster Stelle. Aber auch andere Destinationen wie französische und südeuropäische Flüsse rücken stärker in den Fokus der Gäste. Und 2016 könnte ein weiteres Rekordjahr werden. Denn das angestaubte Image der Flussreisen ist erfolgreich abgeschüttelt worden.

Vor allem auch jüngere Zielgruppen werden besonders mit Themenreisen ins Visier genommen. Diese Entwicklung ist erfreulich, denn die Branche hatte es zuletzt nicht immer leicht: Politische Spannungen und Krisen wie die Ukraine-Krise hatten teilweise massive Auswirkungen auf die Nachfrage nach Flusskreuzfahrten in der Ukraine und Russland sowie Ägypten. Aber diese temporär politisch beeinträchtigten Destinationen gewinnen langsam wieder an Nachfrage.

Städtetrip einmal ganz anders

Generell ist die Flusskreuzfahrt eine sehr komfortable Reiseform – quasi eine Städtereise im schwimmenden Hotel. Die Gäste erleben viele Städte und beeindruckende Landschaften in nur wenigen Tagen und müssen sich dabei um nichts kümmern. So entfällt z.B. das oft lästige Koffer ein und auspacken. Insofern ist die Flussreise eine gute Gelegenheit, einen Städtetrip einmal auf eine ganz andere Art und Weise zu erleben.

Generell werden die Schiffe qualitativ hochwertiger – dies zeigt sich vor allem bei den Neubauten.

Die überschaubaren Flusskreuzfahrtschiffe punkten außerdem durch eine intensive Betreuung durch das Personal und eine familiäre und persönliche Atmosphäre an Bord. Ein weiteres Argument für viele Gäste ist die bequeme Anreise. Meistens sind keine langen Fluganreisen nötig, da viele Städte wie z.B. Düsseldorf, Köln, Frankfurt und Passau einfach zu erreichen sind.

Mehr Vielfalt und Luxus

Dem Gast steht heutzutage eine sehr große Vielfalt an Flusskreuzfahrten zur Auswahl, so dass für jeden das richtige Schiff mit dem richtigen Angebot dabei ist – beispielsweise  All inclusive-Angebote, Kombinationen mit Fahrrad und Golf, Familienreisen mit Kinderbetreuung, erlebnisorientierte Flussreisen, Reisen mit Events an Bord, Themenreisen wie Musik- oder Gourmet-Reisen.

Seit 2004 ist das Passagieraufkommen auf dem deutschen Flusskreuzfahrtmarkt um rund ein Drittel gestiegen.

Aber auch das Angebot hinsichtlich der Ausstattung verändert sich. Generell werden die Schiffe qualitativ hochwertiger – dies zeigt sich vor allem bei den Neubauten. Diese sind fast durchgängig im Segment von vier Sternen oder höher angesiedelt. Stark nachgefragt werden zukünftig auch immer mehr digitale Angebote.

Neben Internet und W-LAN an Bord geht der Trend auch zur Digitalisierung weiterer Angebote. So ist es vorstellbar, dass ergänzend zu den klassischen Ausflügen mit persönlichen Reiseführern zukünftig auch „digitale Reiseleiter“ zur Verfügung stehen, die unabhängig von der Anzahl der Ausflügler gebucht und per Smartphone oder Tablet genutzt werden können.

Wirtschaftsfaktor für Städte und Gemeinden

Ein wichtiger Impulsgeber für den Deutschlandtourismus sind Flusskreuzfahrten: Reisende aus aller Welt erkunden Städte und Gemeinden entlang großer Ströme wie Rhein und Donau, aber auch zahlreicher kleiner Kanäle und Zuflüsse. Sie kaufen im lokalen Einzelhandel ein, besuchen Restaurants vor Ort und fahren mit ÖPNV, Taxis oder Busunternehmen zu Sehenswürdigkeiten in der Region.

In vielen Häfen fehlt die Infrastruktur für eine umweltfreundliche Energieversorgung per Stromkabel.

Seit 2004 ist das Passagieraufkommen auf dem deutschen Flusskreuzfahrtmarkt um rund ein Drittel gestiegen. Immer offensichtlicher werden aber nun Versäumnisse bei Infrastruktur-Investitionen: Liegeplätze und Pontons sind vielerorts Mangelware. Die Lage ist mittlerweile so angespannt, dass erste Veranstalter die Startpunkte ihrer Touren verlegen müssen und zum Beispiel Donaukreuzfahrten erst in Österreich beginnen.

Die Folge: Wöchentlich Hunderte weniger Touristen in deutschen Häfen, die ihr Geld dort nicht mehr ausgeben.

Schlechte Infrastruktur, unterschiedliche Vorschriften

Auch an anderer Stelle steht die Branche vor Herausforderungen: In vielen Häfen fehlt die Infrastruktur für eine umweltfreundliche Energieversorgung per Stromkabel. Hinzu kommen EU-weit unterschiedliche Mülltrenn- und Abwassersysteme und unregelmäßige Möglichkeiten, Sondermüll zu entsorgen – eine große logistische Herausforderung für Passagierschiffe, die zum Beispiel vom Rheindelta in den Niederlanden bis zur Donaumündung in Rumänien durch zehn Länder fahren.

Und nach wie vor müssen die Unternehmen die Erhöhung des Mehrwertsteuersatzes von sieben auf 19 Prozent verkraften. In der Hotellerie gelten weiterhin sieben Prozent, jenseits der Grenze in den Niederlanden sogar nur sechs.

Die Branche steht vor großen Herausforderungen, aber sie blickt positiv in die Zukunft. Weiterhin großes Potenzial wird in diesem Markt gesehen, so dass sie langfristig den Widrigkeiten trotzen und sich erfolgreich weiterentwickeln wird. Für den Kunden wird das Angebot künftig noch breiter: Die Vielfalt der Flusskreuzfahrten wird also weiterhin zunehmen.