Wer kennt ihn nicht, den Standardspruch, wenn man irgendwo zufällig einen alten Bekannten trifft: „So was! Wie klein die Welt doch ist!“ Eine seltsame Bemerkung, wenn man mal drüber nachdenkt. Anstatt zu betonen, wie unwahrscheinlich es ist, sich in unserer riesigen Welt zufällig zu treffen, wird der Planet rhetorisch verkleinert – sodass weder unsere spektakuläre Erde noch das spektakuläre Aufeinandertreffen besonders gut dabei wegkommen.

Für alle, die einmal erleben wollen, wie groß die Welt wirklich ist  (ohne viele Monate und das ganze Ersparte dafür herzugeben), gibt es eine wunderbare – und praktikable – Möglichkeit: mit dem Zug einmal quer über den eurasischen Kontinent. Wohl keine andere Reise vereint Tourismusextreme wie ein Trip vom Ostrand Europas bis zur Westkante des Pazifik:  Abenteuer, ohne sich zu verirren; Bequemlichkeit, ohne in Luxus und Langeweile zu versinken. Und wie sonst ließen sich fast 10.000 Kilometer quer durch die verschiedensten Länder und Kulturen zurücklegen, ohne auch nur einen Gedanken an Visaanträge, Autopannen, verspätete Flüge oder ausgebuchte Hotels verschwenden zu müssen?

Vom Ostrand Europas bis zur Westkante des Pazifik 

Wer – wenn schon, denn schon – die ganze Strecke von Moskau bis Wladiwostok beziehungsweise Peking bucht, erlebt auf dieser einen Reise einen Großteil europäischer und asiatischer Kultur. Und das nicht durch Museumsbesuche oder Reiseführer, sondern durch direkten Kontakt – und die gute Küche. In kurzer Zeit geht es von köstlichen Moskauer Peleni zum interessanten Beschbarmak Kasachstans (Nationalgericht aus Hammel- und Pferdefleisch), über die berühmten mongolischen Buuds (mit Fleisch gefüllte Teigtaschen) und schließlich zur legendären Pekingente.

Dabei kann die Reisedauer stark variieren, denn natürlich lassen sich zahlreiche Zwischenstopps einlegen. Aber auch wer die Strecke in einer Woche zurücklegt, wird viele, viele Eindrücke sammeln können. Denn nicht nur Küche, Landschaft und Sprache verändern sich langsam – da die Züge über die ganze Strecke auch von den jeweiligen Einheimischen als ganz normales Fortbewegungsmittel genutzt werden, verändern sich auch die persönlichen Eindrücke, die Gesichter und die Gespräche, die – so berichten es jedenfalls viele Reisende – fast das Beste an der ganzen Sache sind.

Der Bankier aus Schanghai trifft den Nomaden aus der tiefsten Mongolei 

Von Moskauer „Yuppies“ bis zu nomadisch lebenden Mongolen, vom Wodkaspezialisten aus der tiefsten Steppe Sibiriens bis zum schicken Bankier aus Schanghai oder Singapur kann man in kurzer Zeit – und ohne sich dabei großartig bewegen zu müssen – die verschiedensten Begegnungen machen. Bei der Reise durch ein Land wie die Mongolei – viereinhalbmal so groß wie Deutschland, aber mit nur drei Millionen Einwohnern der am dünnsten besiedelte Staat der Welt – sind persönliche Begegnungen oft die einzige Möglichkeit, mehr als tolle Fotos von der Landschaft mitzunehmen.

Reiseführer und Tourismuszentren sucht man hier vergebens. Aber damit kein Missverständnis entsteht: Genau das macht viel vom Charme der Reise aus. Im Unterschied zum Beispiel zur Reise mit einem Kreuzfahrtschiff ist die „Reise durch Eurasien“ nämlich alles andere als isoliert; man ist nicht „unter sich“, sondern im besten Sinne allen möglichen Menschen und Eindrücken ausgeliefert. Eine Erfahrung, die dem Leben in unserer großen Welt doch eigentlich viel mehr entspricht.