Reisen und Genuss sind für die meisten Urlauber untrennbar miteinander verbunden, nicht nur wegen der landestypischen Spezialitäten, sondern auch weil man sich in der schönsten Zeit des Jahres einfach mal etwas gönnen will.
 
Gibt es wirklich jemanden, der bei Italienurlaub nicht an Pizza und Pasta denkt? Wohl kaum. Die preisgünstigen und selbst in Touristenhochburgen ordentlich gemachten italienischen Klassiker stehen ja selbst zu Hause bei den meisten so hoch im Kurs, dass Nudelgerichte in quasi allen Umfragen das absolute Lieblingsgericht der Deutschen sind.

Aber auch bei exotischen Zielen ist das Gros der Fernreisenden nicht nur aufgeschlossen, sondern freut sich sogar auf die Bekanntschaft mit neuen Gewürzen und Spezialitäten.
 
Der „hässliche“ Deutsche mit den Klischeesocken in den Sandalen, der sich seine Dosenwurst von zu Hause mitbringt und nichts isst, was der Bauer nicht kennt, hat sich schon lange überlebt. Im Gegenteil, fragt man in Restaurants nach, bekommen deutsche Touristen oft eine erstaunlich gute Note.

Ein Gastronom im trubeligen ligurischen Badeort Alassio bringt es auf den Punkt: „Sie sind aufgeschlossener als die Franzosen, nicht so laut wie die Amerikaner und geben mehr Trinkgeld als die eigenen Landsleute.“

Aber es ist ja auch etwas Schönes, wenn man in den Ferien für kleine Schwächen ein bisschen blinder als sonst ist.

Rund die Hälfte aller Urlauber, ganz besonders die weiblichen, legen im Ausland immer mehr Wert auf landestypische Küche, fand L’tur in einer Umfrage kürzlich heraus. Und nur 3,9 Prozent der Frauen beziehungsweise 4,3 Prozent aller Männer möchten im Urlaub deutsche Gerichte essen. Der Rest will vor allem, dass es schmeckt, oder bestellt vorwiegend die mediterranen und internationalen Sachen, die er schon von zu Hause kennt.

All-inclusive-Hotels, Hotelklubs und schwimmende Bettenburgen wie Aida oder Mein Schiff tragen diesem Wunsch seit Jahren mit einer breiten Auswahl Rechnung und haben gleichzeitig die Kunst des Überflusses perfektioniert. Tag und Nacht kann man sich an Buffets bedienen, in Spezialitätenrestaurants speisen oder sich einen Caesar Salad bestellen.
 
Ob wirklich alle Gerichte so lecker sind, wie man sie im Urlaub wahrnimmt, ist natürlich etwas ganz anderes. Zu Hause würde man die Spaghetti alle vongole sicher nicht zentimetertief im Öl schwimmen lassen, aber der Traumblick an der Promenade lässt einen großzügig darüber hinwegsehen. Und die in Kambodscha noch betörende Gewürzmischung Amok hat in der heimischen Küche eine bittere Note, die einem vorher gar nicht aufgefallen ist.

Aber es ist ja auch etwas Schönes, wenn man in den Ferien für kleine Schwächen ein bisschen blinder als sonst ist. Und im Übrigen haben die Deutschen einen guten Grund, sich nach einem ausgedehnten Urlaub wieder auf daheim zu freuen: Es sind die mehr als 300 Brotsorten, die es nur bei uns gibt.