Kennt ihr diese strukturierten Menschen am Flughafen, die mit drei Handgriffen ihr gesamtes Handgepäck in die Schalen vom Sicherheitscheck verstaut haben, während man selbst noch verzweifelt versucht, in totaler Hektik Mantel und Stiefel auszuziehen, den Laptop aus dem Rucksack zu holen und bloß nichts übereinanderzustapeln? Diese Leute, die routiniert wie eine Himalaya-Kuh einen genauen Lageplan im Kopf zu haben scheinen, wo genau alles hinmuss, im Bruchteil einer Sekunde? – Das bin ich. Ich hätte niemals gedacht, einmal zu dieser Personengruppe dazuzugehören, die mich früher schier wahnsinnig gemacht hat mit ihrer Gelassenheit am Flughafen.

Ich stehe nunmehr seit zehn Jahren vor und hinter der Kamera und poste auf meinem Instagram-Kanal alles, was mir so vor die Linse kommt, dabei haben sich die Schwerpunkte Mode und Reisen für mich gefestigt. Das große Dilemma war für mich immer, bestimmen zu wollen, wie das Foto aussieht, während ich aber selbst auch drauf bin. Die meisten Fotografen, die ich kenne, beschränken sich auf Ersteres, während die meisten Models nun mal lieber vor der Kamera stehen. Ich wollte schon immer Bilder zeigen, die ich sehe, die aber mich auch in einem Moment zeigen, an den ich mich später erinnern möchte. Mein Equipment umfasst bei Reisen immer eine kleine analoge Kamera und eine semiprofessionelle Kompaktkamera, die aufgrund ihrer 490 Gramm Gewicht wie dafür gemacht ist, sie immer überall mitzunehmen. Ich habe auch schon diverse Spiegelreflexkameras besessen, die aber aufgrund ihrer Größe und des Gewichts sowohl für spontane Momente als auch lange Reisen viel zu unpraktisch waren.

Dieses Jahr habe ich circa zwölf Trips unternommen, die meisten aus beruflichen Gründen, weil das Reisen inzwischen einfach einen großen Teil meines Jobs ausmacht. Dabei permanent zu koordinieren, jemanden an seiner Seite zu haben, der einem mit der Arbeit hilft, ist unerlässlich und manchmal schwierig zu managen. Gerade auf Reisen, die von Agenturen organisiert werden, sind Teilnehmerzahlen begrenzt, und es war schon des Öfteren ausschlaggebend für mich, ob und welcher Fotograf die Reise begleitet. Social Media ist längst keine Laune mehr, auch wenn man darüber schmunzelt, dass einige eben ihre „Instagram Husbands“ zur Seite haben, aber im Duo klappt alles besser.

Wenn ich auf das Jahr zurückblicke, hat mich die Fotolust an viele Orte verschlagen, und doch gibt es Momente, die man nicht immer einfangen kann. Ich bin mit mir bis dato völlig fremden Menschen nach Marokko geflogen, an unserem zweiten Tag sind wir in die Wüste gefahren. Wir sind in finsterster Nacht in der Sahara liegen geblieben, weil sich Sturzbäche aus Regenwasser gebildet haben, die uns an der Weiterfahrt hinderten. Später führte das dazu, dass wir mit acht Personen unsere drei Autos an die 13 Mal aus dem Sand der Sahara geschoben haben. Ich weiß bis heute nicht, wie unser Fahrer den Weg in unser Camp irgendwo im Nirgendwo gefunden hat, man fühlt sich leicht verloren als Stadtmensch.

Zwei andere Trips haben mich dieses Jahr nach Finnland geführt, wo ich eine Distille besucht habe. Ich war mir absolut unsicher, was mich dort erwarten würde, weil ich so etwas vorher noch nie gemacht habe und auch keine genaue Vorstellung von dem Land hatte. Was mich dort aber gefunden hat, ist sehr viel mehr, als ich angenommen hätte, denn unsere Gastgeber haben uns so freundschaftlich willkommen geheißen, dass ich privat schon den nächsten Besuch dort plane.
Man sagt, dass Reisen das Einzige sei, für das man Geld ausgibt und man doch reicher wird. Es gibt Städte und Orte, die etwas mit einem machen, man ist nie überall die gleiche Person. Wenn ich in Paris bin, fühle ich mich immer gleich mehr zu Mode hingezogen, ich werde mutiger, Sachen auszuprobieren, während ich in Barcelona die absolut entspannteste Version meiner selbst bin. Reisen ist ein tolles Hobby und ein echtes Privileg für die, die es können, allerdings ist Urlaub für mich, seit ich beruflich viel unterwegs bin, keine Frage von fernen Ländern mehr.

Immer wenn ich weggehe, setze ich mich unter Druck, Resultate abzuliefern und tolle Erinnerungen zu schaffen. Meinen einzigen Urlaub, der dieses stressfreie Prädikat verdient hätte, habe ich dieses Jahr in einer 10.000-Einwohner-Stadt in Bayern verbracht, weil es einfach nicht endlose Möglichkeiten für Fotos gab und mein selbst auferlegter Schaffensdruck einfach irgendwann erloschen ist.

Ich glaube fest, dass Fotos andere inspirieren können, zu reisen und eigene Erinnerungen zu schaffen. Wenn ich ein Foto ansehe von meinen Reisen, ist das Wertvollste meine eigene Erinnerung. Wenn ich es schaffe, jemandem begreiflich zu machen, was hinter diesem Moment wirklich gestanden hat, dann erfüllt mich das am meisten.

Mehr von Frankie Miles

Entdecken Sie Frankies Reisen und exklusive Einblicke in Ihren Alltag auf Ihrem Instagram Profil @_frankiemiles.