Camping boomt – und verändert sich rasant. Prof. Dr. Frank Schaal, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Campingwirtschaft in Deutschland (BVDC) e. V., spricht im Interview über beliebte Reiseziele, neue Ansprüche der Camper und die Trends, die den Camping- und Caravaningmarkt künftig prägen werden. Dabei wird deutlich: Camping ist längst moderner, digitaler und vielfältiger als viele denken.

Prof. Dr. Frank Schaal
Geschäftsführer des Bundesverbandes der Campingwirtschaft in Deutschland (BVDC) e. V.
Welche Reiseziele und Regionen sind bei Campern aktuell besonders beliebt?
Das sind insbesondere die Küstengebiete, aber auch der Schwarzwald, das Allgäu oder die Moselregion sind sehr beliebte Destinationen. Wir haben in Deutschland 3.200 Campingplätze, die gut über die Bundesrepublik verteilt sind. Jede Region hat ihren eigenen Charme, und auch die jeweiligen Campingplätze haben ganz unterschiedliche Ausrichtungen.
Hier findet jeder Camper das für ihn passende Ziel!
Wie haben sich die Wünsche der Camper an Plätze in den letzten Jahren verändert?
In den letzten 25 Jahren haben sich die deutschen Campingplätze stark verändert und es wurde viel Geld investiert, um sie zu optimieren. Das wichtigste Thema für Camper sind die Sanitäranlagen, die mittlerweile hohe Standards erfüllen. Teils kann man sogar schon Privatbäder buchen, die man mit keinem anderen Camper teilen muss.
Ein weiteres wichtiges Thema ist die Stromversorgung. Wir müssen uns darauf einstellen, dass auf den Campingplätzen immer mehr Strom gebraucht wird. Handys, Tablets und Co. müssen geladen werden, zudem geht der Trend in der Campingküche weg vom Gas hin zu z. B. Induktionslösungen, die ebenfalls Strom benötigen. Es braucht also Lösungen, um diesen Bedarf zu decken, und das möglichst nachhaltig. Wir raten daher mittlerweile allen Campingplatzbetreibern, sich Solarmodule anzuschaffen, die für die Stromerzeugung und die Thermie genutzt werden können. Nachhaltigkeit und Camping passt wunderbar zusammen, und wir sind hier bereits auf einem sehr guten Weg.
Welche Trends prägen derzeit den Camping- und Caravaningmarkt – auch bei Ausstattung und Fahrzeugen?
Im letzten Jahr wurde das 1.000.000. Wohnmobil in Deutschland angemeldet, der Trend ist ungebrochen. Was die Ausstattung angeht, kommt es auf die Bedürfnisse und Wünsche der Camper an. Es gibt sehr kompakte Fahrzeuge, aber auch enorm große Reisemobile, in denen sogar ein Auto Platz findet.
Wir verzeichnen mit einem Wert von 44,7 Millionen Übernachtungen eine Steigerung von 4,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr, ein Rekordjahr folgt also dem nächsten.
Ein Trend, den wir gerade bei jüngeren Leuten beobachten, ist das Revival des Zeltes, insbesondere des Dachzeltes. Hier gibt es mittlerweile sehr clevere, hochqualitative Lösungen, die in Minuten aufgebaut sind. Der klassische Wohnwagen schwächelt gerade ein wenig, obwohl er gerade für Familien wunderbar geeignet ist, da er doch noch etwas mehr Platz bietet.
Welche Rolle spielen Online-Portale und digitale Buchungen für Camper und Betreiber?
Es gibt viele Campingplätze, die von A bis Z durchdigitalisiert sind und damit auf Campinggäste aus dem In- und Ausland eingestellt sind. Es gibt aber auch Plätze, die aufholen müssen. Die heutige Camper-Generation verlangt Buchungsstrecken, die komplett digital laufen, und es gibt mittlerweile auch genügend Buchungsplattformen, an die sich die Campingplätze anbinden können. Im Vergleich zu unserem europäischen Nachbarn sind wir hier noch nicht so weit, wie wir sein sollten. Zudem wird KI das Buchungsverhalten in den nächsten Jahren revolutionieren. Wer also nicht mit entsprechenden Datensätzen gut zu finden ist (und da sind die Buchungsplattformen auch für die Betreiber ein sehr gutes Tool), wird Schwierigkeiten haben, Erstkunden zu finden.
Wohin entwickelt sich der Campingmarkt in den kommenden Jahren?
Campingplätze werden sich mehr und mehr verändern: Stellflächen für Wohnmobile, klassische Zeltflächen, Wohnfässer und Glamping-Angebote können dann auf ein und demselben Campingplatz stattfinden. Wir werden also eine immer höhere Heterogenität auf den Plätzen haben: die jungen Burschen, die ihr Zelt aufbauen neben den Best Agern im Mobilheim, dem Pärchen mit 750.000€-Reisemobil und der Familie im Glamping-Zelt.
Und genau das ist es, was Camping so schön macht! Gerade in den aktuell sehr herausfordernden Zeiten bereichert das unsere Gesellschaft doch sehr!


