Julia Schuler über ihre Leidenschaft fürs Radfahren, den Weg zur größten Radsport-Creatorin Deutschlands und die Freiheit auf zwei Rädern.
Du bist eigentlich Triathletin. Wann hat dich das Radfahren so gepackt, dass es dein Leben bestimmt?
Am Anfang war das Radfahren für mich einfach nur eine der drei Disziplinen im Triathlon. Oft bedeutete das, dieselben Strecken immer wieder zu fahren und Berge mehrfach hoch- und herunterzurollen. Die wirkliche Begeisterung kam erst während unserer jährlichen Trainingslager in der Toskana. Dort habe ich das Radfahren von einer ganz anderen Seite kennengelernt. Die langen Ausfahrten durch die sanften Hügel, die kleinen italienischen Dörfer, der ein oder andere Stopp an der Eisdiele und das Gefühl, stundenlang unterwegs zu sein, haben mich sofort fasziniert. Mit der Zeit wurde aus einer Trainingsdisziplin meine große Leidenschaft. Heute ist das Radfahren nicht nur Sport für mich, sondern auch Freiheit, Abenteuer und die Möglichkeit, immer wieder neue Orte zu entdecken.
Heute ist das Radfahren nicht nur Sport für mich, sondern auch Freiheit, Abenteuer und die Möglichkeit, immer wieder neue Orte zu entdecken.

Mit über 700.000 Followern bist du Deutschlands größte Radsport-Influencerin. Hast du das jemals so geplant?
Nein, überhaupt nicht. Bevor ich mit dem Radfahren angefangen habe, hatte ich ein ganz normales privates Instagram-Profil, auf dem ich vielleicht ein oder zwei Bilder pro Jahr aus dem Urlaub gepostet habe. Als ich meine Begeisterung für das Rennradfahren entdeckt habe, wollte ich einfach die schönen Momente und Landschaften meiner Ausfahrten teilen. Dass daraus einmal mein Beruf werden würde und mir Hunderttausende Menschen folgen würden, hätte ich niemals erwartet.
Rückblickend war das Timing vermutlich perfekt. Mit Beginn der Corona-Pandemie haben viele Menschen das Radfahren für sich entdeckt. Gleichzeitig gab es damals nur sehr wenige Creator in diesem Bereich und insbesondere kaum Frauen, die regelmäßig Rennrad-Content produziert haben. Dadurch konnte ich mir über die Jahre eine Community aufbauen, die meine Leidenschaft für den Sport teilt. Dass daraus Deutschlands größter Rennrad-Account entstanden ist, erfüllt mich bis heute mit großer Dankbarkeit.
Welches Rad fährst du aktuell und was macht es zu deinem absoluten Favoriten?
Ich fahre seit Kurzem ein ganz besonderes Rennrad. Das Besondere daran ist, dass ich gemeinsam mit dem Hersteller an der Gestaltung arbeiten durfte, viele meiner eigenen Ideen in das Design eingeflossen sind und dieses Rad tatsächliche als limitierte Edition auf den Markt gekommen ist. (Anmerkung: Julia ist die erste deutsche Frau, die gemeinsam mit einem Radhersteller ein limitiertes Rennrad auf den Markt gebracht hat.) Deshalb freue ich mich jedes Mal, wenn ich damit unterwegs bin. Es erinnert mich daran, wie viele schöne Projekte und Erlebnisse das Radfahren in den letzten Jahren mit sich gebracht hat und wie viel daraus entstanden ist, seit ich damals einfach angefangen habe, meine Ausfahrten auf Instagram zu teilen.
Rennrad, Gravel oder MTB – welcher Biketyp passt zu welchem Fahrertyp?
Ich liebe Geschwindigkeit, lange Ausfahrten und kurvenreiche Abfahrten – deshalb wird das Rennrad wahrscheinlich immer meine erste Wahl bleiben. Kein anderes Fahrrad vermittelt mir dieses Gefühl von Dynamik und Effizienz. Außerdem lassen sich mit dem Rennrad die längsten Strecken zurücklegen, wodurch man unglaublich viele unterschiedliche Regionen entdecken kann.
Trotzdem haben auch Gravelbike und Mountainbike ihren ganz eigenen Reiz. Wer gerne Abenteuer erlebt, neue Wege erkundet und die Natur abseits des Straßenverkehrs genießen möchte, wird wahrscheinlich auf einem Gravelbike oder Mountainbike glücklich. Am Ende gibt es kein „besser“ oder „schlechter“. Jeder Fahrradtyp eröffnet eine eigene Welt und genau das macht den Radsport so vielseitig.

Ich liebe Geschwindigkeit, lange Ausfahrten und kurvenreiche Abfahrten – deshalb wird das Rennrad wahrscheinlich immer meine erste Wahl bleiben. Kein anderes Fahrrad vermittelt mir dieses Gefühl von Dynamik und Effizienz.
Gibt es einen Radsportler oder eine Radsportlerin, die dich inspiriert und warum?
Mich inspirieren Sportler im Allgemeinen – vom disziplinierten Hobbysportler bis hin zum Profiathleten. Besonders beeindruckend finde ich Menschen, die sich langfristige Ziele setzen und konsequent daran arbeiten, unabhängig davon, ob sie auf einer großen Bühne stehen oder nicht.
Oft sind es sogar die Geschichten von ganz normalen Menschen, die mich besonders berühren: Menschen, die neben Beruf und Familie für ein großes sportliches Ziel trainieren, Rückschläge überwinden und trotzdem nicht aufgeben. Sie zeigen, dass Erfolg nicht nur aus Talent entsteht, sondern vor allem aus Leidenschaft, Disziplin und Durchhaltevermögen.
Welche Route in Deutschland fordert dich wirklich heraus und was macht sie so besonders?
Eine einzelne Strecke herauszugreifen, fällt mir schwer. Die größten Herausforderungen sind für mich generell lange Touren mit vielen Höhenmetern. Gerade Strecken mit langen Anstiegen, wechselhaftem Wetter und vielen Stunden im Sattel verlangen einem körperlich und mental einiges ab.
Gleichzeitig sind es aber genau diese Tage, die am meisten in Erinnerung bleiben. Oft sind die Touren, vor denen man vorher den größten Respekt hatte, am Ende die schönsten. Sie zeigen einem, was möglich ist, wenn man sich Schritt für Schritt durchbeißt.
Welche Region oder Route empfiehlst du für alle, die beim Radfahren vor allem Landschaft und Panorama genießen wollen?
Ich komme aus Mainz und bin vielleicht etwas voreingenommen, aber die Region rund um Rheinhessen, den Rhein und den Taunus gehört für mich zu den schönsten Radregionen Deutschlands. Man findet hier eine unglaubliche Vielfalt auf vergleichsweise kleinem Raum.
Die Weinberge rund um Nierstein bieten wunderschöne Ausblicke, entlang des Rheins gibt es ruhige und schnelle Strecken, und wer Höhenmeter sammeln möchte, ist im Taunus genau richtig. Dazu kommen viele kleine Orte mit gemütlichen Cafés und Straußwirtschaften. Für mich ist das die perfekte Mischung aus Sport, Natur und Genuss.
Was gibt dir das Radfahren mental, das kein anderer Sport ersetzen kann?
Radfahren gibt mir die Möglichkeit, komplett im Moment zu sein. Sobald ich auf dem Rad sitze, verschwinden viele Gedanken des Alltags automatisch in den Hintergrund. Gerade auf technisch anspruchsvollen Strecken oder bei schnellen Abfahrten muss man sich voll auf das Hier und Jetzt konzentrieren.
Diese Mischung aus körperlicher Belastung, frischer Luft und Fokus wirkt für mich fast wie Meditation in Bewegung. Nach einer langen Ausfahrt komme ich oft nicht nur körperlich erschöpft, sondern auch mental erholt nach Hause. Das ist etwas, das ich in dieser Form bei kaum einer anderen Sportart erlebt habe.
Was würdest du jemandem raten, der vom gemütlichen Hobbyfahrer zum ernsthaften Radsportler werden möchte?
Das Wichtigste ist, sich nicht unter Druck setzen zu lassen. In den sozialen Medien entsteht oft der Eindruck, dass man immer weiter, schneller und extremer werden muss. Plötzlich fährt jeder 200 Kilometer, bestreitet Ultra-Events oder plant die nächste große Herausforderung.
Mein Rat ist deshalb: Vergleicht euch nicht ständig mit anderen. Findet heraus, was euch persönlich Freude macht und baut darauf auf. Wer langfristig Spaß am Sport haben möchte, sollte sich Schritt für Schritt steigern und kleine, erreichbare Ziele setzen.
Außerdem braucht man nicht sofort das teuerste Material. Eine gute Radhose, ein sicherer Helm und eine passende Sitzposition sind am Anfang deutlich wichtiger als die neuesten Carbon-Laufräder. Und wenn möglich: Fahrt mit anderen zusammen. Gerade in Gruppen lernt man unglaublich viel, sammelt Erfahrungen und entdeckt oft noch mehr Freude am Radfahren.
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