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Outdoor- Natur erleben

Sternschnuppen, Berge, Barfuß im Regen

Fotos: Marius Schatz, Roadtyping

Für Franzi und Marius von Roadtyping ist das Leben auf Rädern gelebte Freiheit. Im Interview erzählen sie, wie sie mit ihren Kindern die Natur entdecken, Abenteuer und Alltag in Einklang bringen – und warum manchmal auch ein Monsun-Regen zur unvergesslichen Erinnerung wird.

Was bedeutet Outdoor-Leben heute für euch als Familie?

Franzi: Die Zeit unterwegs ist für uns immer eine intensive Familienzeit. Wir erleben unsere gemeinsamen Reisen als entschleunigend und entspannend, weil das ganze Drumherum des Alltags wegfällt. Das bedeutet für uns maximale Freiheit.

Marius: Natürlich muss man sich auf Reisen auf den Rhythmus der Kinder einstellen. Wir planen z. B. die Etappen entsprechend und peilen Ziele an, die auch für die Kinder spannend sind. Dazu tauschen wir uns auch viel mit unseren Kindern aus.

Welche gemeinsamen Erlebnisse unterwegs haben euch als Familie besonders geprägt?

Franzi: Das tolle ist, dass wir uns gemeinsame Erinnerungen schaffen. Wir sind gerade in England unterwegs, und gestern haben wir zum Beispiel gemeinsam nach Sternschnuppen Ausschau gehalten. Das sind Momente, die man nicht wieder vergisst und an die wir uns zusammen immer zurück erinnern können.

Aber es gibt auch Erlebnisse, die uns aus unserer Comfort Zone holen. Als wir in Sri Lanka waren, überraschte uns ein Monsun und wir mussten barfuß durch den Regen einen Berg herunterlaufen. Klar, in dem Moment war das echt eine Challenge, aber wir haben es gemeinsam geschafft! Auch solche Momente vergisst man nie (lacht).

Was macht das Van-Life mit Kindern für euch besonders und wie schafft ihr unterwegs die Balance zwischen Abenteuer und Familienalltag?

Franzi: Wir brauchen natürlich Struktur, ohne die wäre es auch irgendwie langweilig. Gewisse Dinge müssen eben gemacht werden: Einkaufen, Abspülen, Wasser auffüllen, Toilette ausleeren. Wir binden unsere Kinder dabei immer mit ein und erstellen z. B. gemeinsam den Speiseplan, gehen mit ihnen Einkaufen oder lassen sie den Müll trennen.

Was macht eine Wanderung oder Radtour mit Kindern für euch entspannt?

Franzi: Bei uns ist das wie bei allen anderen Familien: Auch unsere Kinder haben nicht immer Bock (lacht). Deswegen ist es für uns am wichtigsten, keinen Druck aufzubauen. Wir wählen die Touren ganz bewusst aus und achten darauf, dass auf der Route immer wieder Zwischenstationen sind, die die Kinder bei der Stange halten. Das ist in unserer Erfahrung fast wichtiger als das eigentliche Ziel der Tour.

Marius: Wir setzen lieber kleine, kurze Etappen und jagen nicht auf Teufel komm raus einem Ziel hinterher. Flexibilität ist also sehr wichtig für uns. Das bedeutet auch, dass wir früher umkehren als geplant, wenn wir merken, dass es genug für die Kinder ist. Aber mittlerweile haben wir ein gutes Gefühl dafür, was die Kinder packen und was nicht. Mittlerweile bieten auch viele Urlaubsregionen Themenwege an, die unsere Kinder toll finden und sie beschäftigt halten. Oder wir fahren mit der Bergbahn auf den Berg und wandern anschließend wieder runter, um es den Kindern zu erleichtern.

Franzi: Was wir auch gern machen, ist, uns kleine Side Quests auszudenken. Die kann zum Beispiel lauten: Wer findet den nächsten Pilz? Das macht es auch noch einmal kurzweiliger.

Auf welche Ausrüstung könnt ihr bei euren Outdoor-Abenteuern nicht verzichten?

Marius: Ganz wichtig sind Snacks: Obst, Nüsse, getrocknete Früchte, alles, was schmeckt und gleichzeitig Energie spendet. Bezüglich der Kleidung ist die Zwiebelmethode immer empfehlenswert, da man so für jegliches Wetter gewappnet ist.

Franzi: Unser wichtigstes Learning in Bezug auf Kleidung ist, dass wir nur noch unempfindliche Sachen einpacken. Bunte Klamotten, die bei 40% waschbar sind: Das macht das Leben on the Road sehr viel einfacher!

Marius: Genau, denn die Klamotten sollen auch dreckig werden dürfen. Je dreckiger und matschiger die Klamotten der Kinder, umso glücklicher sind sie! Was sonstiges Equipment angeht, braucht man nicht viel. Was wir sehr schätzen, ist unsere Toilette. Ansonsten haben wir immer eine Picknickdecke dabei. Fernglas und Lupe dürfen auch nicht fehlen. Da wir die Fahrräder immer dabeihaben, brauchen wir Flickzeug, Helme, Pumpe, Abschleppseil.

Franzi: Auch Kissen und Kuscheldecken für die Gemütlichkeit sind uns wichtig. Und Schaf-Felle sind immer im Van, für Orte, an denen es mal kühler ist. Für die Kinder haben wir Malsachen und Hörspiele oder die Toniebox dabei, zudem Bälle und Bodyboards.

Outdoor-Abenteuer kann man das ganze Jahr über erleben. Was macht das Reisen auch abseits vom Sommer für euch so besonders?

Franzi: Wir sind keine Schönwetter-Camper. Wir brauchen keine 30 Grad, wir wollen laufen, radeln, wandern. Daher schauen wir da schon, dass das Klima an unseren Reisezielen das auch ermöglicht. Herbst oder Frühling sind dafür super geeignet, und die Natur finde ich zu diesen Jahreszeiten wunderschön.

Marius: Für mich ist der Herbst die tollste Reisezeit! Ich finde es so genial, wenn sich überall die Blätter verfärben. Die Lichtphasen sind richtig magisch. Ich finde es auch toll, wenn es mal neblig ist oder ein bisschen nieselt. Aber auch der Winter bietet viel. Ski- und Schlittenfahren, einfach im Schnee toben, das lieben wir! Auch wenn es im Winter herausfordernder ist, weil man mehr Zubehör und Kleidung dabeihaben muss und sich öfter im Van aufhält.

Was möchtet ihr euren Kindern über die Natur mit auf den Weg geben?

Marius: Wir versuchen, unsere Kinder so zu erziehen, dass sie ein Feingefühl für die Natur und unsere Umwelt entwickeln. Wir sprechen viel über die Tiere, denen wir unterwegs begegnen und mit denen wir uns die Umwelt teilen. Auf diese Art möchten wir ihnen zeigen, dass unsere Natur und Umwelt absolut schützenswert ist und wir mit ihr respektvoll umgehen müssen.

Franzi: Das Van Life ist dafür wirklich perfekt geeignet. Das betrifft dann auch ganz alltägliche Dinge wie den verantwortungsvollen Umgang mit Wasser. Hier in England, wo wir gerade unterwegs sind, ist es extrem trocken. Das sehen die Kinder natürlich, und auch das bietet wieder die Möglichkeit, über große Themen wie den Klimawandel zu sprechen und ihnen unsere Verantwortung in diesem Kreislauf bewusst zu machen.

Welche Outdoor-Destinationen haben euch in Deutschland und Europa besonders begeistert?

Marius: Deutschland als Reiseziel haben wir tatsächlich erst auf dem Schirm, seit eines unserer Kinder in die Schule geht, also noch gar nicht so lange.

Franzi: Aber wir haben den Anfang gemacht! Zu Pfingsten wollten wir eine Bike Packing Tour machen und sind zuerst für ein paar Tage zu Freunden nach Brandenburg gefahren. Danach wollten wir den Berlin-Kopenhagen-Radweg fahren, aber sind nur bis zum Müritz Nationalpark gekommen (lacht). Und wir fanden es so schön dort! In Zukunft möchten wir noch weitere schöne Ecken Deutschlands erkunden, das steht fest.

Marius: Ich denke, man muss die Paradigmen ablegen, die man häufig so über Reiseziele in Deutschland im Kopf hat. Der Bayerische Wald zum Beispiel ist nicht der „Zufluchtsort für Rentner“, für den ihn viele noch halten, sondern bietet etwas für alle Generationen. Dort haben wir zum Beispiel eine der größten zusammenhängenden Waldflächen Deutschlands, und es gibt tolle, naturverbundene Campingplätze oder auch Bikeparks. Im Schwarzwald waren wir mit dem Kanu paddeln, da kam fast ein bisschen Kanada-Feeling auf. Es gibt einfach ganz tolle Orte in Deutschland, und mittlerweile treibt es uns nicht mehr ausschließlich in die Ferne.

Auch das Elbsandsteingebirge in Tschechien hat uns beeindruckt. Dort war es noch nicht so überlaufen wie in der Sächsischen Schweiz. Generell haben wir in Europa mit all unseren Nachbarländern eine wahnsinnige Vielfalt an Reisezielen auf relativ kurze Distanz, die alle auf ihre Weise wunderschön sind.

Was sollten Familien nach der Lektüre eures Buches „Hej Midsommar“ am besten sofort selbst ausprobieren?

Marius: Unser Buch soll wie auch unser Instagram-Kanal einfach auf unsere Reisen mitnehmen und andere dazu inspirieren, ihre eigenen Abenteuer zu schaffen und die für sie passenden Urlaubsorte zu entdecken. Wir möchten Menschen inspirieren, rauszugehen und draufloszufahren, weil wir selbst die Erfahrung gemacht haben, dass man so die tollsten Orte entdeckt und sich die schönsten Erinnerungen schafft. Ein Camping-Urlaub muss nicht von A bis Z durchgeplant sein, um der schönste überhaupt zu werden, ganz im Gegenteil!

BUCHTIPP

Hej Midsommar – Reiseführer Skandinavien
Ein Sommer voller Freiheit und Natur.

Drei Monate Skandinavien im Camper – ein Reiseführer voller Herz, Abenteuer und echter Familienmomente.

Neugierig geworden?

Mehr zu Franzis und Marius‘ Outdoor-Abenteuern können Sie hier entdecken:

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