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Outdoor- Natur erleben

Dem Unbekannten entgegen

Fotos: Tanja & Denis Katzer

Tanja und Denis Katzer sind Abenteurer, Fotografen, Filmemacher und Autoren. Seit 1991widmen sie sich ihrem Lebensprojekt „Die Große Reise“: ca. 500.000 Kilometer durch Wüsten und Dschungel, von Sibirien bis zum Nordkap und alles ohne Flugzeug, dafür mit Elefanten, auf Kamelen, Pferden, E-Bikes und in ihrem Expeditionsmobil. Im Interview spricht Denis über Abenteuer, Freiheit und das Leben auf Rädern.

Was treibt dich und dein Frau Tanja nach all den Jahren noch an?

Wenn du unterwegs bist, ist immer etwas neu. Dafür muss man allerdings der Typ sein – Reisen und ein nomadisches Leben sind nicht für jeden etwas. Mich treibt vor allem das Unbekannte an: Jede Minute kann etwas Neues passieren, und wenn man neugierig ist, ist das unglaublich faszinierend. Auch nach zwölf Weltumrundungen und rund 500.000 Kilometern ohne Flugzeug reicht ein Leben niemals aus, um unseren Planeten und seine Kulturen wirklich kennenzulernen. Als Botschafter von Mutter Erde möchten Tanja und ich möglichst viel über die Welt, ihre Kulturen, Philosophie, Spiritualität und Politik erfahren. Und natürlich ist da dieses besondere Gefühl von Freiheit. Auf Reisen erleben wir die Zeit außerdem völlig anders: Ein einziger Tag kann so voller Eindrücke sein, dass er sich wie eine Woche oder sogar ein Monat anfühlt. In gewisser Weise ist Reisen also auch eine Zeitreise.

Was ist deine liebste Art zu Reisen und warum? Und was genau macht das Radfahren auf einer Expedition so besonders?

Jede Art des Reisens hat ihren eigenen Charakter. Die Wüste fasziniert durch ihre Stille und ihre unglaubliche Schönheit im Detail, während der Urwald mit seiner Geräuschkulisse und seiner Vielfalt an Leben eine völlig andere Welt eröffnet. Ebenso faszinieren uns die unterschiedlichen Kulturen und Lebenswelten. Unvergesslich bleiben unsere Expeditionen zu abgeschieden lebenden Urvölkern in Südamerika und Westneuguinea sowie unsere Kamelexpeditionen: Rund 12.000 Kilometer legten wir mit Kamelen zurück, davon 7.000 zu Fuß bei unserer vierjährigen Durchquerung Australiens.

Zum Radfahren kamen wir eher zufällig. Ursprünglich wollten wir das Fahrrad nur als ökologisches Transportmittel nutzen, doch daraus entwickelte sich eine eigene Form des Reisens. Sechs Jahre lang fuhren wir von Deutschland bis nach Thailand und legten dabei rund 50.000 Kilometer zurück. Dafür entwickelten wir gemeinsam mit einem Sponsor die ersten Expeditions-E-Bikes, mit denen wir ab der Mongolei unterwegs waren. Das E-Biken wurde zu einem wichtigen Bestandteil unserer Expeditionen. Heute kombinieren wir E-Bike und Expeditionsmobil.

Mit unseren E-Bikes erkunden wir die Wüste im Anti-Atlas-Gebirge.

Was ist der wichtigste Praxistipp für alle, die zum ersten Mal mit dem Wohnmobil oder E-Bike aufbrechen?

Erst ausprobieren, dann kaufen. Wer über ein Wohnmobil nachdenkt, sollte zunächst eines mieten und herausfinden, ob diese Art des Reisens tatsächlich zu ihm passt. Dasselbe gilt für E-Bikes: erst ausleihen und mehrere Tage oder Wochen testen. Für längere Reisen sollte man außerdem grundlegende Reparaturen selbst durchführen können und die notwendige Ausrüstung kennen. Wer mit dem Rad unterwegs ist, muss beispielsweise wissen, wie man einen Schlauch oder Reifen wechselt, ausreichend Wasser mitführen und auf mögliche Pannen vorbereitet sein. Gerade unter extremen Bedingungen kann das entscheidend sein.

Welches Reiseziel empfiehlst du für wen?

Das ist eine Typfrage und hängt davon ab, was jemand sucht und wie er körperlich und mental aufgestellt ist. Manche Menschen möchten im Urlaub einfach entspannen, andere suchen das Abenteuer. Entscheidend ist, sich selbst und die eigenen Bedürfnisse realistisch einzuschätzen, bevor man größere Investitionen tätigt: Wie viel Komfort brauche ich? Wie komme ich damit zurecht, mit den Herausforderungen von Natur und Wetter umzugehen? Auch die Vorstellung von Freiheit wird oft überschätzt. Viele Menschen kaufen sich ein Wohnmobil, um frei zu sein. Aber Freiheit kann man nicht kaufen – sie ist eine Frage der inneren Haltung. Seine persönlichen Probleme nimmt man überallhin mit.

Wir sind erleichtert, als wir nach stundenlanger Fahrt einen alten Wegweiser entdecken, auf dem deutlich „Tadakoust“ zu lesen ist. Diese Wegweiser aus Stein und Lehm sind ein Relikt der historischen Karawanenrouten im Antiatlasgebirge. Schlicht, aber robust, halfen sie einst Nomaden und Reisenden, sich in der kargen und schwer zugänglichen Landschaft zurechtzufinden.

Wie plant ihr eure Routen, und worauf kommt es bei der Vorbereitung wirklich an?

Das hängt stark von der jeweiligen Reise ab. Für Expeditionen zu indigenen Völkern musste ich früher sehr akribisch planen und die passende Ausrüstung zusammenstellen. Auch unser Expeditionsmobil prüfen wir vorab auf mögliche Schwachstellen und nehmen wichtige Ersatzteile mit. Eine Reise durch Asien, bei der Tanja und ich mit E-Bikes von Elefanten-Resort zu Elefanten-Resort fahren wollten, hatten wir über Jahre vorbereitet. Dann kam die Corona-Pandemie, und die Reise war nicht mehr möglich. Wir mussten umplanen und fuhren stattdessen nach Norwegen. Vorbereitung ist wichtig, aber man darf sich nicht darin verlieren. Irgendwann muss man einfach aufbrechen.

Was ist das nächste große Abenteuer?

Nun steht erneut eine große Reise bevor und erstmals eine Open-End-Reise. Wir haben kein festes Rückkehrdatum, sondern wollen so lange unterwegs sein, wie wir Lust haben und gesund bleiben. Der Aufbruch ist für den 31. Juli geplant. Bis dahin gibt es noch viel zu organisieren: Kameras, Laptops, technische Ersatzteile, Ausrüstung für Fahrzeug und E-Bikes sowie Karten- und Navigationsmaterial. Unsere Route führt zunächst nach Marokko und anschließend entlang der Westküste Afrikas bis nach Südafrika. Wie lange wir dafür brauchen werden, wissen wir selbst noch nicht.

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