Der Winter verändert sich, und mit ihm der Wintersport. Felix Neureuther erklärt uns im Interview, warum Skifahren auch in Zukunft bestehen wird, welche Rolle Nachhaltigkeit spielt und weshalb Kinder dringend mehr Bewegung brauchen.
Was bedeutet dir persönlich „Abenteuer Winter“?
Der Winter ist für mich jedes Jahr ein Abenteuer. Wenn die ersten Schneeflocken fallen, liegt ein besonderer Zauber in der Luft. Man sieht das Strahlen in den Augen – egal ob bei Kindern oder Erwachsenen. Schnee verwandelt die Welt in etwas Spielerisches, fast Märchenhaftes. Plötzlich wird alles zu einem Baukasten: Skifahren, Rodeln, Schneeburgen bauen oder durch verschneite Wälder wandern. Genau das ist für mich das „Abenteuer Winter“: Bewegung, Erlebnis und diese einzigartige Stimmung, die nur die kalte Jahreszeit schafft.
Wintersport steht im Zeichen des Klimawandels vor großen Herausforderungen – wie blickst du als ehemaliger Profi darauf?
Wir alle spüren die Veränderungen: Schnee fällt später und unregelmäßiger, der Winter verschiebt sich. Das stellt Tourismus und Sport vor große Aufgaben. Wichtig ist mir: Wintersport ist nicht Ursache des Klimawandels. Natürlich hinterlassen wir Spuren, aber die Freude und Faszination, die er Millionen Menschen schenkt, darf man nicht kleinreden. Vieles bewegt sich bereits – bei Energieversorgung, Schneeproduktion oder Mobilität. Die Aufgabe ist, zu zeigen: Auch wenn sich der Winter verändert, bleibt er erlebbar. März und April bieten oft großartige Bedingungen, nur müssen sich Gewohnheiten anpassen. Ich bin überzeugt: Wintersport wird auch in hundert Jahren noch existieren – angepasst, weniger abhängig von Gletschern, aber immer noch faszinierend.
Du setzt dich für einen bewussteren Umgang mit Ressourcen ein. Welche Projekte findest du sinnvoll?
Der größte Hebel liegt bei der An- und Abreise: Rund 80 Prozent der Emissionen eines Skiurlaubs entstehen dort. Deshalb brauchen wir Bahnverbindungen in Wintersportorte, Kombitickets oder Shuttle-Lösungen. Das hilft Umwelt und Menschen in den Tälern, die heute massiv unter Staus leiden.
Beim Thema Beschneiung wird oft vergessen: Das Wasser ist nicht verloren, sondern kehrt in den Kreislauf zurück. Technik ist energieintensiv, wird aber effizienter. Klar ist: Der Betrieb von Skigebieten wird teurer, damit wohl auch der Urlaub. Mir ist wichtig, dass Skifahren kein Luxus für wenige wird. Wintersport muss für alle zugänglich bleiben – für Familien, Kinder und Menschen, die in den Bergen ihr Glück finden.

Wie können wir Kinder heute nachhaltig für Bewegung begeistern?
Kinder haben einen natürlichen Bewegungsdrang – den müssen wir fördern. Statt sie früh zum Stillsitzen anzuhalten, sollten wir Kreativität und Aktivität stärken. Ich plädiere für tägliche Sportstunden in Schulen, auch wenn das schwer umsetzbar ist. Bewegung ist eine Grundlage für ein gesundes Leben.
Wichtig ist auch, Kinder in die Natur hinauszubringen: Schnee spüren, Wind und Sonne erleben. Wintersport bietet dafür ideale Chancen, weil er Abenteuer, Spaß und Gemeinschaft verbindet. Solche Erlebnisse prägen mehr als jedes materielle Gut – Erinnerungen, die ein Leben lang bleiben.
MIR IST WICHTIG,
DASS SKIFAHREN KEIN
LUXUS FÜR WENIGE
WIRD. WINTERSPORT
MUSS FÜR ALLE ZUGÄNGLICH
BLEIBEN –
FÜR FAMILIEN, KINDER
UND MENSCHEN, DIE
IN DEN BERGEN IHR
GLÜCK FINDEN.
Welche Technologien können Wintersport sicherer machen, ohne das Freiheitsgefühl einzuschränken?
Sicherheit beginnt bei jedem selbst. Man darf sich nicht überschätzen und sollte die Grundlagen beherrschen. Skischulen sind deshalb unverzichtbar – für Kinder wie Erwachsene.
Moderne Carving-Ski erleichtern den Einstieg, ersetzen aber keine Technik. Schutzkleidung ist selbstverständlich: Helme sollten Pflicht sein, für Kinder auch Rückenprotektoren. Digitalisierung kann helfen, sich besser vorzubereiten – mit Infos zu Pisten, Wetter oder Lawinenlage. Am Ende aber entscheidet das Verhalten: Wer aufmerksam und rücksichtsvoll unterwegs ist, sorgt für Sicherheit – für sich und andere.
Welche Orte würdest du jedem Winterfan empfehlen – und warum?
Meine Heimat Garmisch-Partenkirchen ist für mich der perfekte Ort: Skifahren, Winterwandern, die höchsten Gipfel Deutschlands – hier gibt es alles. Wer Neues entdecken möchte, sollte Courchevel und Méribel in Frankreich besuchen, die Dolomiten in Südtirol oder den Arlberg, wo Variantenfahren und Après-Ski aufeinandertreffen.
Und wer einmal über den Atlantik reisen will, sollte Vail in den USA erleben. Der dortige „Champagne Powder“ ist unvergleichlich. Jeder dieser Orte hat seinen eigenen Charakter – und genau das macht die Faszination des Wintersports aus: Er bietet unendlich viele Facetten, für Anfänger wie Experten.
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