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Die eigenen Grenzen erfahren

Die eigenen Grenzen erfahren
Die eigenen Grenzen erfahren
Der Mann und das Flugzeug. Air-Racer Hannes Arch ist kein Risikotyp. Foto: zooom.at / Markus Berger, Thomas Ulrich / Red Bull Photofiles

Der Österreicher Hannes Arch hat sich durch besondere Leistungen in extremen Bereichen ausgezeichnet.

Von Basejumping über die Kunstfliegerei bis hin zu Air-Races faszinieren ihn Sportarten, die von Abenteuer, Mut und dem Umgang mit den eigenen Grenzen geprägt sind.

Hannes Arch, wie hat sich Ihre Leidenschaft zum Extremsport entwickelt?

In der Kindheit habe ich eine große Freiheit in den Bergen entdeckt. Ich kann mich erinnern, dass ich jede freie Minute draußen verbracht habe, beim Klettern und Bergsteigen. Ich finde, im Bergsport erkennt man auch die Philosophie des Extermsports wieder, im Umgang mit der Natur, mit sich selbst und seinen Grenzen. Und eine Bereitschaft, sich motiviert Problemen zu stellen und die Herausforderungen des Lebens auf sich zu nehmen.

Zusätzlich zum Bergsteigen habe ich mit 15 zusammen mit meinem Vater angefangen, Para- und Hängegliding zu machen. Dort konnte ich meine ganz persönliche Freiheit leben. Mit 28 habe ich dann einen Privatpilotenschein gemacht, doch das Rumfliegen allein war mir zu langweilig und zu teuer. Erst als Kunstflieger habe ich dann einen sportlichen Zugang zur Fliegerei gefunden.

Was ist die Belohnung für die Risiken, die Sie eingehen?

Ich würde es anders formulieren: Man nimmt Risiken auf sich und versucht, damit verantwortungsbewusst umzugehen. Das klingt paradox, aber ich bin kein Risikotyp. Ich stürze mich nicht irgendwo kopflos runter, sondern bereite mich gut vor und plane alles zu 100 Prozent durch.

Mein Leben ist so schön, ich will es nicht riskieren. Mir ist aber wichtig, dass ich mich dem Leben als Risiko und Abenteuer bewusst stelle, im Gegensatz zu einem Großteil der Gesellschaft, in der wir hier in Europa leben. Die laufen eher davon.

Man muss mutig und kompromisslos sein, gegen den Strom schwimmen und die Kraft dazu haben. Im Gegenzug lernt man sich selbst von jeder Seite kennen und kann sich so verwirklichen. Also ein leichter Weg ist das nicht, aber ein sehr erfüllender.

Sie fliegen professionelle Air-Races, die ganz schön an die Grenzen gehen. Wie bereiten Sie sich darauf vor?

Die Vorbereitung im Kopf muss vor allem stimmen. Natürlich gibt es auch die körperliche und die technische Seite, die Planung, das Betriebswirtschaftliche, das Marketing. Doch das Wichtigste ist die mentale Seite. Man muss sich fragen, ob man die Leistung wirklich bringen, den Druck aushalten und das Risiko auf sich nehmen möchte.

Und dazu muss man „Ja“ sagen. Genauso auch zu wie zu dem ganzen Drumherum, zur Show, zur Vermarktung, zum vielen Reisen. Du musst einfach aus Überzeugung „Ja“ dazu sagen, und dann tauchst du ein und kannst die Verantwortung übernehmen.

Ein Spagat zwischen Selbstverwirklichung, Vermarktung und Unterhaltung. Wo positionieren Sie sich?

Als wir früher geklettert sind, haben wir uns ganz schwarz angezogen und wollten unser Tun nicht an eine Marke verkaufen. Aber wenn ich vom Sport leben möchte, dann funktioniert diese Einstellung nicht. Inzwischen bin ich Markenbotschafter und repräsentiere ein Image.

Ich zeige her, was ich kann, und begeistere damit das Publikum, von fünfjährigen Stöpseln bis hin zu Großmüttern. Wenn aus dem heraus junge Menschen wieder anfangen zu klettern, bergzusteigen oder zu fliegen, dann habe ich mein Ziel schon erreicht.


 Anmerkung der Redaktion: Der österreichische Extremsportler und Red-Bull-Pilot Hannes Arch ist am 8. September 2016 überraschend verstorben. Wie Tirols Motocross-Legende Heinz Kinigadner sagte: „„Wir haben einen engen Freund verloren – Einen besonnenen Menschen, der mit seiner Heimat verbunden war – den du alles fragen konntest, der sich für nichts zu schade war.“ In diesem Sinne spricht auch die Mediaplanet-Redaktion ihr Beileid aus.

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