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Abenteuer

Einer der längsten und schwierigsten Trails der Welt

Fotos: Peter Hinze /Dolpo Project

Der Ultra Trail-Läufer und Himalaya-Experte Peter Hinze ist 1.864 Kilometer quer durch Nepal dem Great Himalaya Trail gefolgt, einem der längsten und wohl schwierigsten Trails weltweit.

Peter Hinze 

Himalaya-Experte und Journlist


Bei einem Trailrun muss man stets körperlich fit sein. Wie haben Sie sich während der Reise ernährt, und würden Sie hier beim nächsten Mal etwas grundlegend verändern? 

Ich habe mehr als zehn Kilo abgenommen. Das ist bereits die Antwort. Die „sportliche“ Ernährung auf dem Trail ist schwierig. Morgens, mittags und abends steht das gleiche Essen auf dem Speiseplan: das nepalesische Nationalgericht Dal Bhat, Reis mit Linsen. Und manchmal ist der Speiseplan leer – dann sind wir nüchtern in den Tag gestartet. Aber wegen der Gewichtsproblematik war klar: Wir mussten mit dem lokalen Nahrungsangebot zurechtkommen. Allein das Bargeld, das wir dabeihatten, wog ja fast schon ein Kilo. Sportlernahrung wie Powergels, Proteine oder Nudeln für eine solch lange Zeit mitzunehmen, wäre unmöglich gewesen. Aber gerade deshalb haben wir die touristische Region Solukhumbu so genossen. Dort gibt es alles: Pizza, Pasta, Latte macchiato – und Internet. Eine köstliche Erinnerung.

Welche Tipps haben Sie für Sportbegeisterte, die mit dem Trailrunning beginnen wollen?

Warum nicht mit Wanderungen starten, die langsam länger werden? Mein „Hausberg“ ist der Herzogstand zwischen Walchensee und Kochelsee in Oberbayern. Ein perfekter Trail, herrliche Aussichten und genügend Hütten für eine Einkehr. Wenn sich das „Running“ aus dem Wandern entwickelt, dann ist es perfekt.

Welche Ausrüstung darf bei Ihnen auf einem Trip nie fehlen?

Am wichtigsten sind Traillaufschuhe mit einem guten Grip, also einem guten Profil. Dazu atmungsaktive Bekleidung, die Schutz gegen Kälte beziehungsweise Regen bietet, und ein leichter Laufrucksack, der genügend Platz für Getränke hat. Es ist eine alte Phrase, aber es steckt viel Wahrheit darin: Der Weg ist das Ziel – und für den Weg muss man vorbereitet sein. Der Great Himalaya Trail hatte wegen seiner Länge auch bei der Ausrüstung seine Eigenheiten: Nagelschere, offene Flip-Flops und aufblasbares Kopfkissen würde ich unbedingt wieder mitnehmen, obwohl diese Dinge auf den ersten Blick nicht zur klassischen Ausrüstung gehören. 

Nepal wird auch als Reiseziel für Trekkingliebhaber immer beliebter. Haben Sie besondere Ausflugsziele oder Tipps für Menschen, die zuvor noch nie in Nepal waren?

Der Neuling startet zumeist mit der Region Solukhumbu. Ja, touristisch längst zu sehr erschlossen, aber noch immer eine großartige Berglandschaft. Klassisches Nepal halt.

Der Weg zum Everest-Basislager ist eine Art „Wander-Autobahn“. Die Herausforderung ist eigentlich nur die Höhe, auf deren Gefahren der Wanderer unbedingt achten sollte. Die attraktive Alternative ist die Annapurna-Runde. „Wiederholungs“-Besuchern empfehle ich die Region Manaslu, herrlich und noch authentisch, ebenso wie Upper Mustang. Und wer mit Nepal-Erfahrung das große Abenteuer sucht, für den gibt es Upper Dolpo, mein nepalesisches Lieblingsziel. In der abgelegenen Region, etwa so groß wie das Saarland, leben nur rund 6.000 Menschen, die „Dolpopas“. Der Tourismus ist hier eine wichtige Einnahmequelle, obwohl nicht einmal 500 Besucher im Jahr kommen. Die Region ist nur zu Fuß zu erreichen, es gibt keine Straßenverbindung. Das Leben, vor allem im Winter, ist sehr schwierig, denn Landwirtschaft ist nur in wenigen Monaten möglich. Es gibt kaum Krankenhäuser oder Schulen. Nach meinem Abenteuer auf dem Great Himalaya Trail habe ich mich entschlossen, den Dolpopas zu helfen. Ich finanziere mit dem „Dolpo Project“ inzwischen 20 Mikro-Gewächshäuser, in denen viele Bewohner erstmals eigenes Gemüse anbauen können. Ich denke, Trailrunner entdecken und genießen einzigartige Landschaften und Menschen. Und wenn es möglich ist, sollten wir etwas zurückgeben. Dann ist das Erlebnis Trailrunning perfekt.

Sie möchten mehr über Peter Hinze erfahren?

Weitere Informationen finden Sie unter greathimalayatrailrun.com/das-buch und unter @trail_insides

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