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Warum Mountainbiken mehr ist als nur Sport

Fotos: Privat

Im Interview spricht Nico Reuter über den Boom des Mountainbikens, nachhaltige Trailkonzepte und die besondere Verbindung zwischen Sport und Natur.

Nico, du bist Bikepark-Experte, Jäger und Naturschützer in einem. Wie passt das zusammen?

Für mich passt das sogar sehr gut zusammen, weil alle drei Bereiche auf derselben Grundlage basieren: meiner tiefen Naturverbundenheit. Genau deshalb bin ich Outdoorsportler geworden. Mountainbiken, Klettern oder Wandern haben mich immer fasziniert, weil sie draußen stattfinden und Menschen wieder mit ihrer Umwelt verbinden. Gerade in einer zunehmend digitalen Welt halte ich Outdoorsport für enorm wichtig. Nur was man schätzt, ist man auch bereit zu schützen.

Wer regelmäßig Zeit in der Natur verbringt, entwickelt automatisch ein anderes Bewusstsein für Landschaft, Tiere und Ökosysteme. Aus dieser Leidenschaft heraus habe ich Umweltwissenschaften studiert und mich als Ingenieur stark auf Umwelt- und Naturschutzthemen spezialisiert. Dieses Wissen fließt heute direkt in meine Arbeit mit EcoParc Concepts ein, wo wir nachhaltige Outdoorsport- und Tourismuskonzepte entwickeln. Mein Bekenntnis zur Jagd sorgt auf meinen Social Media Kanälen oft für Diskussionen, gehört für mich aber konsequent dazu.

Durch die Ausbildung und den Alltag im Revier habe ich gelernt, Natur nicht nur als Kulisse für Sport zu sehen, sondern als komplexes System, für das man Verantwortung übernimmt. Als Jagdpächter und staatlich ernannter Wolfsbeauftragter beschäftige ich mich täglich mit Themen wie Wildtiermanagement, Artenschutz und Nutzungskonflikten. Gerade diese unterschiedlichen Perspektiven helfen mir heute enorm bei der Planung von Trails, Bikeparks und touristischen Projekten. Ich kann mich sowohl in Naturschutz, Jagd, Tourismus als auch in die Mountainbike-Community hineinversetzen und dadurch Lösungen entwickeln, die langfristig funktionieren.

Die schönsten Momente auf dem Bike erlebe ich gemeinsam mit meinem Traildog und Jagdhund – der österreichischen Brandlbracke Braco. Diese Verbindung zwischen Mensch, Tier, Bewegung und Natur ist für mich etwas ganz Besonderes.

Mountainbiking soll laut dir bald Wandern und Wintersport als beliebteste Outdooraktivität ablösen. Was treibt diesen Boom gerade so stark an?

Der Wandel im Tourismus ist längst spürbar. Viele Wintersportregionen stehen durch den Klimawandel unter enormem Druck. Beschneiung wird immer aufwendiger und teurer, während gleichzeitig der Wunsch nach naturnahen und nachhaltigen Freizeitangeboten wächst. Mountainbiken profitiert genau von diesem gesellschaftlichen Wandel. Moderne Bikes werden immer zugänglicher, der Trailbau hat sich professionalisiert und das E-Mountainbike ermöglicht inzwischen Menschen aller Altersgruppen einen einfachen Zugang zum Sport.

Hinzu kommt, dass viele Menschen heute bewusster reisen und Erlebnisse suchen, die Natur, Bewegung und Gesundheit verbinden. Mountainbiken erfüllt genau diese Bedürfnisse. Gleichzeitig generieren attraktive Bike-Angebote für Regionen eine hohe touristische Wertschöpfung – besonders in Mittelgebirgen mit langen Sommersaisons. Ich glaube deshalb, dass Mountainbiken in den kommenden Jahren noch stärker eine Schlüsselrolle im naturnahen Tourismus einnehmen wird. Vor allem deutsche Mittelgebirge haben hier enormes Potenzial.

Welche Region in Deutschland hat aus deiner Sicht das größte unentdeckte Potenzial als Mountainbike-Destination?

Grundsätzlich eignen sich viele deutsche Mittelgebirge hervorragend für Mountainbike-Tourismus.Besonders großes Potenzial sehe ich aber im Pfälzerwald – vor allem in Kombination mit den angrenzenden Vogesen. Die Region bietet alles, was moderne Mountainbike-Destinationen brauchen: abwechslungsreiche Topografie, beeindruckende Natur, lange Saisonzeiten und eine einzigartige Hütten- und Genusskultur. Gerade dort steckt enormes Potenzial in der Professionalisierung bestehender Angebote und in nachhaltigen Trailkonzepten.

Viele Regionen unterschätzen noch immer, welche Chancen naturnaher Fahrradtourismus für ländliche Räume bieten kann. Auch in meiner saarländischen Heimat , dem Saarland und dem Nordpfälzer Bergland, arbeiten wir bereits mit einzelnen Gemeinden an ersten Projekten. Wenn dort bald erfolgreiche Pilotprojekte entstehen, werden viele weitere Regionen nachziehen.

Die drei wichtigsten Dinge, die jeder Mountainbiker wissen sollte, bevor er auf den Trail geht: Die Natur respektieren, Spaß haben und niemals ohne Helm fahren.

Wie schafft man es, Bikeparks und Trails so zu planen, dass Natur und Sport wirklich in Einklang bleiben?

Zunächst muss man akzeptieren, dass jeder Trail und jeder Bikepark immer auch ein Eingriff in die Natur ist. Genau deshalb braucht es von Anfang an viel Fachwissen, Verantwortung und eine intelligente Planung. Entscheidend ist vor allem die richtige Standortwahl. Naturschutz, Eigentumsverhältnisse, Forstwirtschaft, Jagd, Tourismus und die Bedürfnisse der Mountainbike-Community müssen gemeinsam gedacht werden. Wenn man sensible Bereiche meidet und Projekte professionell plant, lassen sich Natur und Sport sehr gut miteinander verbinden.

Genau darin liegt heute die große Herausforderung moderner Trail- und Bikeparkentwicklung. Aus meiner Sicht braucht es künftig deutlich mehr legale und nachhaltig geplante Angebote. Gute Infrastruktur schützt am Ende oft mehr Natur, weil Besucherströme gezielt gelenkt werden können. Ich könnte mir vorstellen hier in Zukunft auch unsere touristischen Planungen mit wildökologischen Raumplanungen zusammen zu denken. Beide Themen sind sehr wichtig und müssten miteinander gedacht werden.

Ob Einsteiger oder erfahrener Rider: Was sind die drei wichtigsten Dinge, die jeder Mountainbiker wissen sollte, bevor er auf den Trail geht?

Die Natur respektieren, Spaß haben und niemals ohne Helm fahren.

Wie unterscheidet sich für dich das Fahrerlebnis zwischen E-Mountainbike und klassischem Mountainbike?

Das E-Mountainbike hat den Sport massiv verändert. Für viele Fahrer bedeutet es vor allem mehr Abfahrten in kürzerer Zeit und damit mehr Fahrspaß. Gleichzeitig macht die Technik den Sport deutlich breiter zugänglich. Menschen unterschiedlichster Fitnesslevel oder auch ältere Fahrer können heute Trails erleben, die früher kaum erreichbar gewesen wären. Das klassische Mountainbike bleibt natürlich sportlicher und fordernder. Wer dauerhaft nur im Turbomodus fährt, verliert schnell Fitness. Trotzdem wird das E-MTB die Zukunft des Sports stark prägen, weil die Technik immer besser, leichter und verspielter wird.

Was war dein bisher unvergesslichstes Erlebnis auf dem Bike und warum hat es dich so geprägt?

Die schönsten Momente auf dem Bike erlebe ich gemeinsam mit meinem Traildog und Jagdhund – der österreichischen Brandlbracke Braco. Diese Verbindung zwischen Mensch, Tier, Bewegung und Natur ist für mich etwas ganz Besonderes. Dabei spielt es oft gar keine Rolle, wo wir unterwegs sind, Entscheidend ist dieses Gefühl von Freiheit und absoluter Präsenz im Moment. Genau das macht Mountainbiken für mich bis heute so faszinierend. Und für Braco offensichtlich auch…

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