Steigende Übernachtungszahlen, touristische Rekordumsätze und neue Chancen für ländliche Regionen: Caravaning hat sich zu einem wichtigen Wachstumstreiber des Deutschlandtourismus entwickelt. Doch das Potenzial des mobilen Urlaubs reicht weit über die Caravaning-Branche hinaus. Daniel Onggowinarso, Geschäftsführer des Caravaning Industrie Verbandes (CIVD), erläutert, warum Kommunen und Destinationen Caravaning stärker in ihre Strategien einbinden sollten.

Daniel Onggowinarso
Geschäftsführer des Caravaning Industrie Verbandes (CIVD)
Immer mehr Menschen verreisen mit Reisemobil oder Caravan. Welche Bedeutung hat Caravaning heute für den Tourismusstandort Deutschland?
Caravaning hat sich zu einer tragenden Säule des Inlandstourismus entwickelt und ist heute ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Die hohe Nachfrage stärkt nicht nur Camping- und Stellplatzbetriebe, sondern sorgt auch für zusätzliche Umsätze in Gastronomie, Handel und bei zahlreichen Dienstleistern in den Regionen. Damit leistet Caravaning einen wichtigen Beitrag zur wirtschaftlichen Stabilität des Deutschlandtourismus.
Welche Regionen gewinnen besonders durch diese Entwicklung?
Vor allem Destinationen außerhalb der klassischen Tourismuszentren profitieren von dieser Entwicklung. Caravaning verteilt touristische Nachfrage breiter als viele andere Reiseformen. Urlauber suchen gezielt naturnahe Erlebnisse und entdecken dabei auch kleinere Städte und Regionen abseits der bekannten Reiseziele. Dadurch entstehen zusätzliche wirtschaftliche Impulse dort, wo der Tourismus bislang eine geringere Rolle spielt. Gerade für ländliche Räume bietet Caravaning die Chance, neue Gästegruppen zu gewinnen und die touristische Entwicklung nachhaltig voranzutreiben.
Warum ist Caravaning auch aus wirtschaftlicher Sicht so interessant?
Weil die Wertschöpfung weit über den eigentlichen Stell- oder Campingplatz hinausgeht. Caravaning-Urlauber nutzen Gastronomie, kaufen regional ein, besuchen Sehenswürdigkeiten und nehmen Freizeitangebote wahr. Erhebungen des Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Instituts für Fremdenverkehr (dwif) zeigen, dass Ausgaben durch Caravaning-Urlauber inzwischen bei rund 21 Milliarden Euro pro Jahr liegen. Rund 7,2 Milliarden Euro fließen direkt in die Urlaubsregionen. Das verdeutlicht, welchen wirtschaftlichen Beitrag Caravaning inzwischen für Kommunen und touristische Betriebe leistet.
Welche Rolle spielt dabei die Infrastruktur?
Eine attraktive Stellplatzinfrastruktur ist der Schlüssel, um dieses Potenzial zu erschließen. Moderne, gut ausgestattete Stellplätze erhöhen die Attraktivität einer Destination und schaffen die Grundlage für zusätzliche Übernachtungen und regionale Wertschöpfung. Gleichzeitig sind die erforderlichen Investitionen im Vergleich zu vielen anderen touristischen Infrastrukturprojekten vergleichsweise gering und können langfristig erhebliche wirtschaftliche Effekte erzielen.
Wo finden interessierte Kommunen und private Investoren Unterstützung?
Der CIVD begleitet Kommunen und private Betreiber bei der Planung und Weiterentwicklung von Reisemobilstellplätzen und bringt seine Erfahrung in konkrete Projekte ein. Gemeinsam mit den Nationalen Naturlandschaften entwickeln wir zudem Konzepte für Caravaning mit niedrigschwelliger Infrastruktur und nachhaltiger Besucherlenkung in sensiblen Naturregionen. Darüber hinaus setzen wir uns auf kommunaler, Landes- und Bundesebene dafür ein, die wirtschaftliche Bedeutung des Caravanings stärker in Tourismus- und Standortstrategien zu verankern.
Welche Entwicklungen beobachten Sie bei den Caravaning-Reisenden?
Wir sehen, dass Caravaning immer stärker zum ganzjährigen Reisebegleiter wird. Viele Menschen nutzen ihr Freizeitfahrzeug nicht nur für den Sommerurlaub, sondern auch für Kurzreisen und Wochenendausflüge. Dadurch entstehen regelmäßige Besucherströme über das gesamte Jahr hinweg. Für Destinationen bedeutet das eine höhere Auslastung auch außerhalb der klassischen Ferienzeiten.
Welche Botschaft möchten Sie Tourismusverantwortlichen mit auf den Weg geben?
Caravaning sollte nicht als Randthema betrachtet werden, sondern als fester Bestandteil einer zukunftsorientierten Tourismusstrategie. Wer heute in attraktive Stellplätze und passende Angebote investiert, legt den Grundstein für zusätzliche Wertschöpfung, stärkt regionale Wirtschaftsstrukturen und erhöht die Attraktivität seiner Destination. So eröffnet Caravaning vielen Regionen langfristige Entwicklungsperspektiven.

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