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Herbst und Winter

Kühle Jahreszeit? Auf jeden Fall draußen!

Foto: Privat

Jolana Dandl aus dem Chiemgau ist Outdoorinfluencerin und -sportlerin. Ob beim Klettern, Bergsteigen oder Trailrunning – sie ist am liebsten draußen unterwegs in den Bergen. Im Interview spricht sie von ihrem Sport und über Herausforderungen.

Jolana Dandl

Outdoorinfluencerin und -sportlerin

Wann hast du deine Begeisterung für Outdoorsportarten entdeckt?

Ich bin auf einem Bio-Bauernhof aufgewachsen und war deshalb schon immer viel draußen und habe die Liebe zur Natur quasi in die Wiege gelegt bekommen. Als Kind war ich aber passionierte Reiterin und Fußballspielerin und habe meine Leidenschaft für Outdoorsportarten erst mit 18/19 zusammen mit meinem Freund entdeckt. Angefangen hat das mit Berggehen, Skifahren und Laufen bzw. Trailrunning.

Welche sind deine Lieblings-Outdooraktivitäten?

Mittlerweile gehören definitiv Klettern und Bouldern zu meinen Lieblingssportarten, egal ob draußen am Fels, in der Halle, am Turm oder alpin. Außerdem immer noch das Bergsteigen und Wandern und seit zwei Jahren jetzt auch vermehrt Rennradfahren und Graveln. Das Trailrunning habe ich aufgrund von zwei Corona-Infektionen in den letzen zwei Jahren leider zurückstellen müssen, da es einfach zu anstrengend oft war und erst jetzt der Punkt wieder wäre, an dem ich anfangen könnte, wieder richtig zu trainieren. Im Winter liebe ich es, Skitouren zu gehen und ab und zu auch Freeriden im Skigebiet, wenn der Schnee gut ist!

Welche Orte kannst du unseren Leserinnen und Lesern empfehlen für einen Outdoorausflug? 

So pauschal ist das sehr schwierig, weil es total darauf ankommt, was man vorhat zu machen, wie fit man ist und wo man wohnt. Generell finde ich es wichtig, dass man nicht immer versucht, irgendwelche superbekannten Spots abzuklappern, dafür vielleicht Tausende Kilometer fährt und sich dann am Ende nur gestresst fühlt. Das kenne ich selbst auch und kann deshalb nur empfehlen, Achtsamkeit auch auf die kleinen Momente zu legen, auch mal in kleinere, unbekanntere (Berg-)Regionen zu fahren, sich Zeit dort nehmen, die Menschen und den Tourismus vor Ort unterstützen, indem man Übernachtungen bucht, mal Essen geht, sich respektvoll verhält und dadurch entschleunigt.

Was war bisher dein aufregendstes Erlebnis?

Da gab es schon einige, und die waren aber auch ganz unterschiedlich. „Aufregend“ kann ja positiv und negativ definiert werden. Bei ein paar Skitouren war es öfter mal für mich aufregend, weil ich mich etwas überfordert gefühlt habe z. B., dadurch auch Angst hatte und/oder die Schneeverhältnisse doch angespannter waren als erwartet. Aber auch bei Klettertouren können ähnlich aufregende Gefühle kommen, die meistens eine Mischung aus vielen Emotionen sind, die sich körperlich meist gleich anfühlen (Herzklopfen, Schwitzen, Zittern). Aber am Ende kommt es darauf an, wie man sie interpretiert.

Hattest du bei einem deiner Ausflüge schon mal einen Moment, wo du Angst hattest oder in einer brenzligen Situation warst? Wie hast du dich dort weiter motiviert oder ruhig gehalten?

Klar, Bergsport ist ein risikoreicher Sport und man sollte deshalb nie die Demut vor dem Berg verlieren und sich selbst nie überschätzen. Uns ist zum Glück noch nichts Schlimmeres passiert, wir hatten Glück, sind aber immer eher defensiv und versuchen, immer Entscheidungen mit Hirn zu treffen. Aber natürlich trifft man nicht immer die perfekte Entscheidung und man lernt mit jedem Jahr unglaublich viel dazu. Wir waren z. B. einmal auf Skitour, und an dem Hang, an dem wir abfahren wollten, ist ein kleines bis mittleres Schneebrett abgegangen, weil jemand vor uns als Erstes reingefahren ist, ziemlich unbedacht und in die denkbar ungünstigste Stelle auch noch. Es ist zum Glück nichts passiert, die Person konnte quasi „ganz gemütlich“ rausfahren, die hat das nicht mal bemerkt, was hinter ihr abgegangen ist. Aber wir hatten natürlich alle große Angst um die Person und haben geschrien usw. Aber auch als die Situation vorbei war und nichts passiert ist, hat mein Herz immer noch so heftig geklopft, da hat es noch ein paar Minuten gedauert, bis ich wieder beruhigt war. Es war nämlich reiner Zufall, dass nicht wir als Erstes reingefahren sind, und auch wenn nichts passiert ist und wir eine andere Linie abgefahren wären, fühlt es sich total komisch an. Da hilft es mir auf jeden Fall, wenn man gleich drüber redet und wenn andere Personen um einen herum auch ehrlich aussprechen, dass sie z. B. Angst haben, geschockt sind, und bestenfalls eine ruhige, erfahrene Person ganz genau dann sagt, was wir jetzt Schritt für Schritt als Nächstes machen. Also z. B. erst mal beschreibt, was gerade passiert ist und warum, wo wir jetzt abfahren, wer als Erstes fährt, wer danach, wo wir uns treffen usw.

Wie verbringst du die kühle Jahreszeit am liebsten?

Auf jeden Fall draußen bzw. die Kombination von draußen sein, Sport machen und dann reinkommen mit kalten Backen und es sich daheim gemütlich machen. Das liebe ich.

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Das Kopfsteinpflaster löste die Schrauben aus dem Rad

Das Thema Bikepacking ist eigentlich ganz simpel. Schnapp dir dein Rad, bepacke es mit dem, was du brauchst, möglichst spartanisch, um Gewicht und Platz zu sparen, und radel los.

Paul Schridde

Meine Reise begann 2020 zusammen mit meinen Freunden Felix und Fritz direkt am Brandenburger Tor in Berlin. Wir wollten in elf Tagen 1.500 Kilometer fahren. Bis zur Hauptstadt von Estland Tallinn. (Der Rückflug war bereits gebucht.)

Wenn mich jemand fragt, wie man sich am besten auf so eine Tour vorbereiten kann, habe ich darauf eigentlich immer die gleiche Antwort: Pack deine Sachen und los geht’s. Ich bin kein Typ, der alles perfekt durchstrukturiert haben muss. Es muss auch nicht von allem das Beste sein. 2018 bin ich nur mit Felix das erste Mal auf großer Radreise gewesen. Damals entschieden wir uns, spontan mit unseren Mountainbikes von Berlin nach Rom (Italien) zu fahren. Am vierten Tag brach meine erste Zeltstange und am letzten Tag musste ich im Regen draußen schlafen, da mein Zelt sich nicht mehr aufbauen ließ. Und das war ein teures Zelt. Was ich damit sagen will: Wenn du Lust auf so eine Tour hast, aber keine 5.000 Euro für eine neue Ausrüstung, macht das nichts. Nimm, was du hast, oder kauf dir ein paar Dinge gebraucht.

Denn nach Plan läuft es am Ende sowieso nicht. Bei unserer Tour von Berlin über Polen, an der weißrussischen Grenze entlang, einmal quer durch Litauen und Lettland kamen wir sehr knapp nach zehneinhalb Tagen in Tallinn (Estland) an. Das Schlimmste war das Kopfsteinpflaster in Polen. Zusätzlich regnete es auch noch gleich am ersten Abend. Und Regen bringt Mücken hervor. Eine Menge Mücken. Unsere erste Nacht verbrachten wir notdürftig in einem kleinen, angeblich vollen Motel kurz hinter der polnischen Grenze auf dem Hinterhof. Neben einem Speichenbruch mitten im Nichts von Litauen und zwei weiteren Platten gab es aber auch wunderbare, schwedisch anmutende Wälder mit ewigen Schotterpisten, bei denen sich unsere Gravelbikes perfekt auszahlten. Highlight Schlafplatz. Eine Nacht im Parkhaus.

Da, wo sonst die Autos parken. Morgens wurde dort um sechs ein Flohmarkt aufgebaut. Übrigens eignet sich Luftpolsterfolie fantastisch, um ein Rad in den Flieger zu bekommen. Nur das Luft-aus-den-Reifen-Lassen nicht vergessen. 

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