Was bedeutet für Sie Freiheit auf zwei Rädern?

Im absoluten Augenblick sein, die Präsenz des Moments zu spüren, zu riechen, zu fühlen. Wenn man auf einem Motorrad unterwegs ist, nimmt man alle Eindrücke intensiv und ungefiltert wahr.

Sei es Gerüche, die gegenwärtige Kultur, den Sound des Motors, die Straßenbedingungen, aber auch den physischen Zustand, nämlich das Befinden des eigenen Körpers, in seiner Ganzheit zu spüren. Auf zwei Rädern, egal in welcher Form, ist man all diesen Bedingungen voll und ganz ausgesetzt, und für mich bedeutet das fast eine Art meditativen Zustand.

Warum?

Nach einer gewissen Kilometerzahl und immer wieder neu auf einen einwirkenden Eindrücken beginnt man, sich von allen Alltagsgedanken und Sorgen frei zu machen. Und genau das ist es, was für mich Freiheit bedeutet: den Fokus auf des Wesentliche zu lenken, auf das pure Sein.

Wenn man beginnt, auf dem Motorrad über Krankheiten, Kontostände, Exfreunde et cetera zu grübeln, verliert man die Konzentration und es wird einfach gefährlich. Also tut man es nicht, und das löst eine unglaubliche Leichtigkeit in einem selbst aus. 

Schon seit Ihrer Kindheit leiden Sie an einer schweren Darmkrankheit und mussten nach einer großen OP das Laufen neu erlernen. Ihr Zustand war mehr als einmal lebensbedrohlich. Wie kam es dazu, dass Sie Ihrem Herzen auf zwei Rädern folgen und „The Moto Quest“ ins Leben riefen?

Die Ursache war die medizinische Aussage, dass mein Leben zeitlich begrenzt sein wird. Die Tatsache, nie zu wissen, wann alles vorbei sein kann, hat mich motiviert, meine Träume zu leben. Oft ernte ich Bewunderung für meinen Mut, doch sind es gewissermaßen auch Ängste, die mich bewogen haben aufzusatteln, um mich auf die Suche nach dem Leben zu begeben.

Motorräder haben mich schon seit meiner Jugend fasziniert, vor allem die alten, klassischen Modelle.

Es wurden mir von klein auf immer wieder meine Grenzen klar gemacht, und ich habe diese mehr als nur einmal im Leben überschritten – ich habe gelernt, dass sich das wahre Leben hinter diesen Grenzen verbirgt. Durch die Diagnose habe ich schon mit fünf Jahren lernen müssen, wie wertvoll das Leben ist; nach einem kritischen Krankenhausaufenthalt 2008 habe ich dann beschlossen, einen meiner größten Träume zu verwirklichen, und bin nach Australien geflogen – one-way, mit nichts außer ein bisschen Kleingeld in der Tasche.

Das Reisen mit dem Motorrad ist ähnlich entstanden. Es war ein Traum, und ich habe mich entschlossen, ihn zu realisieren. Zudem interessiere ich mich seit über 15 Jahren für alternative Heilmethoden und spirituelle Dinge. Dabei habe ich festgestellt, dass man in den Büchern zwar darüber viel lesen kann, sich die eigentliche Weisheit und die Kraft der Selbstheilung aber in unserem Inneren verbergen.

Also habe ich mich aufgemacht, mich vor dem Hintergrund anderer Kulturen und Glaubensrichtungen selbst zu reflektieren und zu verstehen, habe bewusst die Einsamkeit gesucht, um meine innere Stimme besser hören zu können und das Wissen von Schamanen, Medizinmännern und -frauen und den „einfachen Menschen“ verschiedenster Kulturen zu recherchieren, die fern von unserer konsumorientierten Plastikwelt leben – und all das auf dem Motorrad.

Warum reisen Sie auf einem Motorrad?

Motorräder haben mich schon seit meiner Jugend fasziniert, vor allem die alten, klassischen Modelle. In Australien habe ich meinen Führerschein gemacht, und das Gefühl, das sich im Sattel einstellte, übertraf meine Erwartungen um ein Vielfaches.

Seitdem verging kaum ein Tag, an dem ich nicht Motorrad fuhr. Schnell empfand ich die Strecken innerhalb Melbournes als unbefriedigend, und so machte ich mich alleine auf, um das Landesinnere zu erkunden. Dadurch schnupperte ich das erste Mal das wahre Gefühl von Freiheit auf zwei Rädern.

Welche Modelle sind Sie bisher gefahren?

Gefahren bin ich seitdem schon viele verschiedene Motorräder – neu, alt, klein und bis 1.300 ccm –, aber gereist bin ich immer nur mit eher kleinmotorisierten Maschinen und habe auch nur solche besessen.

Meist aus dem Grund, weil es für mehr einfach finanziell noch nie reichte; aber auch weil es mir nie darauf ankam, womit ich fahre, sondern dass ich es tue. Und ich hoffe auch, damit anderen zu zeigen, dass man für solche Abenteuer keine perfekten, voll ausgestatteten Touringmaschinen braucht, sondern es einfach nur tun muss!

Welche Teile der Erde haben Sie schon gesehen?

Ich habe einige Jahre in Australien und Indonesien verbracht, habe einige italienische, spanische und französische Straßen erobert, bin quer durch den Balkan gereist und habe natürlich auch mein heimatliches Land Brandenburg erkundet.

Welche war die bedeutendste Reise?

Indonesien, denn dort war die Geburtsstunde von The Moto Quest, dort habe ich das erste Mal den Mut aufgebracht, riesige Träume zu verwirklichen, dort hatte ich den schwersten Start, habe alles auf eine Karte gesetzt und einen persönlichen Vertrag mit mir gemacht.

Ich war bei einer muslimischen und bei mehreren hinduistischen Beerdigungen – sogar bei der eines Königs.

Dort habe ich am meisten über mich selbst erfahren und hatte die magischsten Momente, habe die meisten Tränen geweint, die intensivsten kulturellen Erfahrungen gemacht und habe die wundervollsten Menschen kennengelernt. Den gesamten Reisezeitraum über habe ich nur zweimal in bezahlten Unterkünften verbracht, die restlichen unzähligen Nächte wurde ich von fremden Familien und indonesischen Motorradfahrern aufgenommen und wurde so oft Teil der Familie, Kultur und sogar Religion.

Inwiefern?

Ich wurde beispielsweise zu einer hinduistischen Haussegnung eingeladen, die von hoher Bedeutung ist und eigentlich nur Familienmitgliedern und Bewohnern zusteht. Ich habe das muslimische Idul Fitri gefeiert, das Fest des Fastenbrechens nach dem Ramadan-Monat.

Ich war bei einer muslimischen und bei mehreren hinduistischen Beerdigungen – sogar bei der eines Königs. Ich durfte in den Gebetsräumen einiger Familien meinen Schlafsack ausrollen, und ich sowie mein Motorrad bekamen eine Wassersegnung von der einzig weiblichen balinesischen Hohepriesterin.

Beeindruckend. Ihr Motto lautet: One Woman. Two Wheels. Four Corners. Was bedeutet das für Sie?

Ich, allein auf zwei Rädern, mit dem Traum im Gepäck, alle Ecken und Himmelsrichtungen dieser Erde zu erkunden.

Welche Regionen dieser Erde wollen Sie unbedingt noch sehen?

Vor allem reizen mich die Länder, die meiner eigenen Kultur am fremdesten sind, wo Tradition und Lebensstil noch nicht von Social Media zerstört wurden, wo traditionelles Heilen eine bedeutende Rolle spielt, und die Länder, die nicht unbedingt zu den empfohlenen Reiseländern gehören.

Warum gerade diese Länder?

Das Wertvollste, was ich auf meinen Reisen lernen durfte, ist, dass die Welt ein faszinierender Ort voller hilfsbereiter und liebenswürdiger Menschen ist.

Ein offenes Herz, Respekt gegenüber Kultur und Religion sowie ein, zwei Wörter in der Landessprache sollten stets Wegbegleiter sein.

Das indonesische Java und Albanien sind genauso eine Reise wert wie das touristisch überlaufene Kroatien oder das ferne Australien. Mein größter Traum ist, Buthan, Tibet und die Mongolei auf zwei Rädern kennenzulernen.

Für diese Reise möchte ich mir ein paar Jahre Zeit nehmen, um an verschiedenen Orten auch ein paar Monate leben zu können. Nur muss ich für eine solche Herausforderung auch meine mechanischen Kenntnisse aufbessern und meine Fahrtechniken vertiefen.

Sie waren zuletzt 5.000 Kilometer auf dem Balkan unterwegs. Wie wird eine Frau allein auf einem Motorrad wahrgenommen?

Mit Neugier. Ein offenes Herz, Respekt gegenüber Kultur und Religion sowie ein, zwei Wörter in der Landessprache („Danke!“ ist mein Favorit) sollten stets Wegbegleiter sein, dann gibt es auch keine Probleme.

Was können Sie unseren Lesern mit auf den Weg geben?

Wir bauen uns Nester, Komfortzonen und Mauern, träumen jedoch von dem, was sich außerhalb dessen befindet, und haben tausend Ausreden, nicht nachschauen zu gehen.

Das Mutigste am Abenteuer ist, tatsächlich zu einem aufzubrechen! Alles, was einen danach erwartet, ist um ein Vielfaches einfacher als dieser erste Schritt. Aber es ist so lohnenswert, diesen ersten zu tun. Also mein Tipp: Bringen Sie den Mut auf, diesen ersten Schritt zu tun!

Was ist Ihr nächstes Ziel?

Mein wichtigstes kurzfristigeres Ziel ist, bei der nächsten Reise einen Film über The Moto Quest und meine Lebensgeschichte zu machen. Es ist für mich ein riesiger Schritt; einerseits auf emotionaler Ebene, da ich sehr viel von mir preisgeben werde und meinen Lesern eine ehrliche und authentische Geschichte erzählen möchte, die ich bisher immer nur angerissen habe.

Andererseits ist es natürlich auch finanziell eine Herausforderung, in hochwertiger Qualität zu produzieren; dass ist nur mit guten Sponsoren umsetzbar. Nach diesen bin ich gerade auf der Suche.

Wenn Sie Aileen bei ihren Abenteuern und dem Vorhaben, einen Film zu produzieren, unterstützen möchten, würde sie sich über Ihre Kontaktaufnahme via www.themotoquest.com oder über Facebook sehr freuen.

Mehr über The Moto Quest

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