Herr Maffay, Sie sind leidenschaftlicher Biker. Wie kamen Sie zum Motorradfahren?

Das ist eine kleine Erbschaft meines Vaters, der mindestens genauso unterwegs war, wie ich es heute noch bin. Er ist jetzt 82 Jahre alt und natürlich fährt er nicht mehr, aber die Leidenschaft dafür habe ich von ihm – da bin ich mir sicher.

Bitte erzählen Sie uns mehr darüber.

Ich saß das erste Mal auf einer uralten 125er ČZ, da war ich zwei oder drei Jahre alt. Natürlich als Beifahrer. Ich lag mehr, als ich saß und konnte nur schwer über den Lenker schauen. (lacht) Ich kann mich an sehr viele Begebenheiten erinnern, bei denen mein Vater und ich zusammen Touren unternommen haben, später sind wir dann auch öfters zusammen gefahren, als ich endlich eine eigene Maschine hatte. An eine Reise kann ich mich besonders erinnern: eine Tour durch Sardinien – es war fantastisch.

Sie sind ebenfalls bekennender Harley-Fahrer. Warum?

Über die Philosophie von dieser Marke können tonnenweise Menschen sicherlich viel erzählen, manche bestimmt auch kompetenter als ich. Harleyfahren ist für mich die Art und Weise Motorrad zu fahren wie ich sie mag, also mehr Motorrad zu wandern. Ich besitze zwei Maschinen: eine Reisemaschine und eine Chopper. Ich bin kein Heizer. Harleyfahren heißt für mich Entschleunigung.

Was unternehmen Sie für Motorradwanderungen?

Beide Maschinen stehen in Spanien, wo die klimatischen Bedingungen einfach viel besser sind als hierzulande. Das spanische Festland habe ich kreuz und quer erkundet – nicht nur einmal. Es eignet sich super für Motorradwanderungen. Man hat einsame, aber dennoch sehr gut ausgebaute Strecken, an einem ziehen rechts und links wunderschöne Landschafte, aber auch alte Ortschaften vorbei, die einen zum Träumen bringen.

So stelle ich mir Motorradfahren vor. Landschaft, Weiter, Freiheit. Ich bin auf meiner Maschine bis Nordafrika runtergefahen. Leider ist dies aufgrund der politischen Entwicklung heute nicht mehr so einfach möglich. Aber auch Italien, Sardinien, Griechenland, einfach der gesamte Mittelmeerraum, sind perfekt für ausgiebige Motorradwanderungen.

Wo zieht es Sie eher nicht hin?

Was mich nicht so sehr lockt ist der Norden. Ich mag es gern warm und trocken. Wenn möglich so warm, dass man keine dicke Kluft braucht, um nicht zu frieren. Das darf man eigentlich nicht laut sagen, aber ich verrate es Ihnen trotzdem: Am liebsten fahre ich in T-Shirt, Helm und Sonnenbrille.

Vernünftig ist das nicht.

Da haben Sie recht und ich befürworte auch die Sicherheitsempfehlungen beim Motorradfahren. Nur eben nicht für mich. Da ich meist auf entlegenen Strecken unterwegs bin, ist es mein Fehler und meine Verantwortung, wenn ich auf die Nase falle. Ich würde andere Leute nie durch meine Einstellung in Gefahr bringen. Vorher würde ich mir auch eine dicke Kluft anziehen.

Verbinden Sie dieses Gefühl „T-Shirt, Helm und Sonnenbrille“ auch mit dem Begriff „Freiheit auf zwei Rädern“?

Absolut. Zudem ist Motorradfahren eine Art Sandkastenspiel für große Jungs. Aber ins Motorradfahren spielt auch eine Romantik mit ein, zumindest aus meiner Sichtweise. Hinter einem Motorrad steckt für mich ein Pferd, mit dem man der untergehenden Sonne entgegen reitet.

Reisen Sie lieber allein oder zu zweit?

Es kommt darauf an. Auf der Chopper kann ich nur allein fahren und das genieße ich sehr. Man kann seinen Gedanken freien Lauf lassen und muss nicht auf die Bedürfnisse des Mitreisenden eingehen. Auf der Reisemaschine kann man bequem zu zweit reisen und auch entsprechend Gepäck mitnehmen. Natürlich auch das seine Vorteile.

Ich mag beide Arten des Reisens. Obwohl ich gestehen muss, dass ich eher der Typ einsamer Wolf bin. In großen Gruppen würde ich nie verreisen, das ist nichts für mich. Maximal zwei Personen beziehungsweise zwei Maschinen. In manchen Gebieten, wie die Sahara, würde ich nie allein fahren. Das wäre leichtsinnig.

Inspirieren Sie Ihre Motorradwanderungen auch für neue Projekte oder Ihre Musik?

Es ist noch nicht vorgekommen, dass ich auf dem Motorrad ein Lied geschrieben habe. (lacht) Aber natürlich wird man inspiriert, wenn man seinen Gedanken freien Lauf lassen kann, wie es beim Fahren gegeben ist. Da fällt mir die Liedzeile von Steppenwolf ein: „Get your motor runnin‘. Head out on the highway.“ Diese Philosophie kann ich teilen.

Was waren Ihre schönsten Motorraderlebnisse?

Das ist schwer, weil jede Ausfahrt ihre schönen Momente hat. Eine ganz besondere Fahrt war beispielsweise, als ich wochenland durch die Sahara gefahren bin. Landschaftlich war das unglaublich beeindruckend. Auch meine Touren durch die USA und Kanada werde ich niemals vergessen. Die Landschaften sind auch dort sensationell. Vor zwei Jahren war ich das erste Mal in den Karpaten, was mir auch sehr gefallen hat.

Und letzten Winter habe ich mit dem Motorrad Argentinien erkundet. Auch das hat mich sehr beeindruckt. Es gibt weltweit so viele attraktive Strecken die man fahren kann. Losfahren und genießen, ist an dieser Stelle mein Tipp. Und es muss nicht immer gleich ans Ende der Welt gehen. Was ich jedem empfehlen kann – ob Anfänger oder erfahrener Fahrer – ist der Mittelmeerraum. Aufgrund seiner Vielfalt ist er immer wieder eine Tour wert.

Steigen Sie hin und wieder auch auf andere Zweiräder?

Sehr oft sogar. Ich habe gerade einen kleinen Konflikt, wenn ich vor meinen Zweirädern – Motorrad und Fahrrad – stehe und mich frage „Was mache ich jetzt? Nehme ich das eine oder das andere.“ Für kürzere Stecken, entscheide ich mich oft fürs Fahrrad, denn vom Motorradfahren bekommt man keine Muckis. (lacht)