Sie scheitern damit in der Praxis jedoch meist an einem nicht ausreichenden Angebot. Zwischen vorhandenem Umweltbewusstsein und praktischem Handeln von Urlaubern und Reisenden klafft oftmals noch eine Lücke. Es liegt in der Verantwortung der Urlaubsregionen, -orte und der Betriebe, es dem Urlauber so leicht wie möglich zu machen, diese Lücke zu schließen und nachhaltige Angebote in Anspruch nehmen zu können.

Der Deutsche Tourismusverband hat gemeinsam mit der BTE-Tourismus- und Regionalberatung Pionierarbeit auf dem Feld der Nachhaltigkeit geleistet: Ab Frühjahr 2016 können Tourismusorte und -regionen sich an einem praxistauglichen Kriterien-Set orientieren. Es bietet ihnen die Chance, sich in Richtung Nachhaltigkeit weiter zu entwickeln – ohne sich einem umfangreichen Label- oder Zertifizierungscheck unterziehen zu müssen.

Gefördert wurde das Projekt „Kriterienentwicklung für nachhaltige Tourismusdestinationen in Deutschland“ durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit.

Unsere Vision als Dachverband des öffentlich organisierten Tourismus in den Ländern, Regionen und Orten ist es, dass der Gast mittel- bis langfristig in den deutschen Reisegebieten auf nachhaltige Tourismusstrukturen trifft: Sei es beim Landschafts- und Naturschutz, sei es, dass der lokale Wohlstand profitiert oder sei es, dass Kultur und Identität der Einwohner eingebunden werden.

Wir wollen die Urlaubsorte dabei unterstützen, es ihren Gästen so leicht wie möglich zu machen, das Richtige zu tun: Im Urlaub sollen sich nicht nur Geist und Körper erholen, auch das Gewissen soll sich entspannen können.

Darum haben wir uns im Jahr 2015 der Mammutaufgabe gestellt und in einem aufwendigen Analyseverfahren mehr als 1.300 Kriterien weltweit existierender Standards, Systeme, Leitfäden und Wettbewerbe untersucht. Wir haben verglichen und auf Relevanz geprüft. Herausgekommen sind 40 Nachhaltigkeitskriterien, die auf internationalen Standards basieren und bundesweit anwendbar sind.

Damit steht nun allen Tourismusregionen ein kostenfreies Standardwerk zur Verfügung, das auf dem Weg zur nachhaltigen Tourismusdestination Orientierung und Anreiz zugleich bieten soll. Angebote wie die sanfte Erkundung der Natur per Rad, Kanu oder zu Fuß, vernetzte Verkehrskonzepte, die die Urlaubsregionen vom Individualverkehr entlasten, regionale Bioprodukte auf der Speisekarte oder der Einsatz von erneuerbaren Energien müssen von Nischen- zu Standardprodukten werden.

Uns muss klar sein, dass trotz eines zunehmenden Umweltbewusstseins und einer größeren Bekanntheit und Akzeptanz des Nachhaltigkeitsgedankens für die meisten Gäste die Verfügbarkeit und Qualität des Angebotes sowie der Preis die entscheidende Rolle spielen.

Mit unserem Kriterien-Set wollen wir Deutschlands Tourismusmanager dazu ermuntern, maßgeblich dazu beizutragen, dem sich weiter vertiefenden Wertewandel mit konkreten nachhaltigen Angeboten und Produkten zu begegnen. Nur so kann die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit in Zukunft geschlossen werden.