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Das Land dort draußen

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Fotos: Erik Peters

Die meisten Menschen haben ein Leben. Filmemacher und Motorradreisender Erik Peters entschied sich für zwei. Dafür tauschte er den Sessel im Büro gegen den Sattel auf dem Motorrad, die ewig gleichen Kollegen gegen fremde Kulturen. Die Schritte der Karriereleiter im Job gegen das Knattern der Yamaha auf Asphalt – und die Heimat Köln für immer gegen den Rest der Welt.

Als Student war Erik Peters noch zu Fuß mit Rucksack unterwegs. Irgendwann stieg er bequemerweise auf einen Chopper, später eine Reiseenduro um. Am Wochenende und im Jahresurlaub fuhr er damit durch ganz Europa. 2006 ersteigerten er und ein Freund beide auf eBay eine alte Yamaha XTZ 660. Damit heizten sie drei Monate lang von Köln nach Shanghai. Erik Peters hatte zu viel frische Luft geschnuppert – sein erstes Leben war damit vorbei. „Mein Chef stellte mich vor die Entscheidung: Karriere oder Motorradreisen“, erzählt er. „Noch am selben Tag habe ich meinen Job gekündigt. Seitdem bin ich fast pausenlos mit dem Motorrad unterwegs.“

Weltweit auf zwei Rädern

Zu Beginn schrumpften die Summen auf dem Konto. Er verdiente irgendwie Geld, um seine Touren zu finanzieren. Eine führte ihn von Mexiko ans Polarmeer nach Alaska und von dort dann weiter durch die großen Prärien, Neuengland und nach New York. Länder wie Norwegen, Russland, Namibia, Irland, Japan und den Himalaya haben er und seine über die Jahre wechselnden Motorräder bisher gesehen. In Erinnerung geblieben ist ihm bei den Maschinen vor allem die Yamaha Ténéré. Ihr klangvoller Name bezeichnet eine Wüste im Süden der Sahara und bedeutet in der Sprache der Tuareg „das Land dort draußen“.

Gefühl von Freiheit und Abenteuer

„Wenn ich auf meinem Motorrad sitze, der Asphalt oder Dreck unter mir dahinjagt und sich der Alltag mit jedem Meter, den ich fahre, immer weiter aus meinen Gedanken verflüchtigt, dann bin ich der glücklichste Mensch der Welt“, so Peters. „Neben dem Gefühl von Freiheit und Abenteuer bedeutet Reisen mit dem Motorrad für mich vor allem, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren.“

Macht des Zufalls

Weniger ist bekanntlich oft mehr. Allzu viel Planung gehört für ihn deshalb bewusst nicht dazu. So wie er sich von heute auf morgen in sein zweites Leben stürzte, rät er auch vor der Reise, dem Schicksal zu vertrauen: „Man sollte sich bei der Vorbereitung nicht zu sehr im Detail verlieren. Denn das Unerwartete macht ein Abenteuer erst aus. Daher baue ich unterwegs vor allem auf den Rat der Menschen vor Ort. Und nicht zuletzt auf den Zufall, denn der hat mich bislang immer wieder zuverlässig an die schönsten Orte geführt.“

Attraktive Vorträge

An der Eroberung der Welt mit viel PS lässt er inzwischen auch alle anderen teilhaben. Jene, die die Tristesse des Nine-to-five noch leben und einen Hauch von Peter’s neuer Freiheit spüren möchten. Zumindest auf der Leinwand. Denn seit ein paar Jahren kann er seinen Traum hauptberuflich ausleben und finanziert ihn durch Auftritte hierzulande. Dabei berichtet er bilderreich und authentisch von seinen Abenteuern. Ein beliebter Blog während einer seiner ersten Reisen war Startschuss für die Mission als Berichterstatter. Als professioneller Filmemacher dokumentiert er nun seine Trips auch auf DVD. Neuester Coup: „Vamos Cuba – Ein karibisches Motorradabenteuer“. Kleiner Tipp von Peters: „Schnell hin, bevor der amerikanische Massentourismus auf die Karibikinsel losgelassen wird!“

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