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Die Straßen rufen!

Motorrad fahren
Motorrad fahren
Foto: Virojt Changyencham/Shutterstock

Mit den steigenden Temperaturen und den ersten längeren sonnigen Abschnitten steigt auch die Lust, sich wieder aufs Motorrad zu schwingen und die erste Frühjahrstour zu unternehmen.

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Michael Lenzen

Vorsitzender Bundesverband der Motorradfahrer e. V.

Zumindest bei denjenigen, die ihr Motorrad im Winter nicht bewegen. Die Winterfahrer haben dagegen mit dem Elefantentreffen das erste Highlight des Jahres bereits hinter sich. Am ersten Februarwochenende trafen sich rund 3.000 Motorradfahrer in Solla zum ältesten Wintertreffen der Motorradfahrer. Seit 63 Jahren findet das legendäre Event des Bundesverbandes der Motorradfahrer (BVDM e. V.) bereits statt. 50 Zentimeter Schnee und viel Sonne sorgten für beste Rahmenbedingungen.

Milde Temperaturen und trockene Straßen sind auch beste Bedingungen für den Start in die Motorradsaison. Damit der auch richtig gut wird, sollten ein paar Dinge berücksichtigt werden: Ist das Motorrad technisch in Schuss, funktionieren Bremse, Fahrwerk und Beleuchtung einwandfrei, haben die Reifen genug Profil und den richtigen Luftdruck? Ist die Kette in Ordnung, wann ist die nächste Inspektion und der TÜV fällig? Ist alles in Ordnung, gilt der nächste Blick der Bekleidung: Ist sie in Ordnung, wie sieht es mit dem Helm aus, kann er seine Funktion noch erfüllen und lässt das Visier noch den richtigen Durchblick zu? Ein selbstkritischer Blick in den Spiegel kann auch nicht schaden: Bin ich fit für die erste Ausfahrt? Motorradfahren fordert ein ordentliches Maß an geistiger und körperlicher Fitness, auch wenn an den modernen Maschinen zahlreiche elektronische Helferlein den Fahrer unterstützen und mehr Sicherheit bieten.

Als mit dem Reitwagen von Daimler 1885 die motorisierte Fortbewegung begann und damit die individuelle Mobilität, ahnte wohl niemand, welche neuen Dimensionen und Perspektiven sich damit eröffnen würden. Der Fahrer musste gleichzeitig noch Mechaniker sein und zahlreiche Dinge beachten. Die Fahrt war ein Abenteuer. Wer so unterwegs war, erlebte einiges, und die gewonnene Mobilität schuf eine neue Art der Freiheit.

Das Motorrad und auch die Fahrer haben sich seither deutlich geändert, das Motorrad hat sich längst zum überwiegend als Freizeitgerät genutzten Fahrzeug entwickelt, das mit Fahrerassistenzsystemen von der Traktionskontrolle bis hin zum Kurven-ABS aufwartet. Die Ausstattung vom LED-Licht über heizbare Griffe und Sitzbänke bis zum voll einstellbaren Fahrwerk lässt kaum Wünsche offen. Supersportliche Maschinen bieten ein Leistungsgewicht von mehr als einem PS pro Kilogramm und eine Beschleunigung wie ein Formel-1-Rennwagen. Die Vielfalt an Modellen war noch nie so groß und die Entscheidung noch nie so schwer. Für jeden Einsatzzweck gibt es ein passendes Motorrad und dazu noch einige Modelle, die fast alles können. Um die Technik muss sich der Fahrer heute nicht mehr kümmern, und meistens kann er das auch gar nicht mehr, außer vielleicht einen Ölwechsel machen oder die Zündkerzen wechseln. Denn längst hat die Elektronik die Steuerung von Motor und vielen Komponenten übernommen. Die Hersteller präsentieren die ersten Maschinen, die automatisch bremsen und selbstständig fahren können. Eine Entwicklung, die durchaus kritisch gesehen wird. Wie und wo ich fahre, wie ich eine Kurve nehme, das wollen die Piloten selbst entscheiden. Unterstützung in kritischen Momenten – ein klares Ja. Aber voll automatisiertes Motorradfahren? Für die meisten Zweiradfahrer ist das nicht vorstellbar und verträgt sich nicht mit dem Gefühl von Freiheit und Genuss, den das Motorradfahren aktuell vielleicht mehr vermittelt als je zuvor.

Reichlich Spaß und Genuss auf hoffentlich vielen schönen und unfallfreien Motorradkilometern wünscht mit der linken Hand zum Gruß

Michael Lenzen

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